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Im Gespräch mit unabhängigen Buchhändler*innen zur WUB: „Wir sind Kulturtankstellen“

Vom 31.Oktober bis 7. November 2020 findet die Woche der unabhängigen Buchhandlungen (WUB) statt – eine Woche nur für die die Buchhändlerinnen und -händler, die sich das ganze Jahr über vor Ort für das Buch stark machen. Inhabergeführte Buchhandlungen haben in Deutschland eine lange Tradition. Mit ihrer Arbeit leisten die Indie-Buchhandlungen einen wichtigen Beitrag zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben ihrer Stadt und der Region.

Banner „Ich lese unabhängig“

Seit 2014 zeigen sich die unabhängigen Buchhandlungen eine Woche lang im November von ihrer schönsten Seite, führen Aktionen durch und krönen das Lieblingsbuch der Unabhängigen. Über 700 unabhängige Buchhandlungen („Indies“) in ganz Deutschland nehmen an der Initiative teil. Wir haben aus diesem Anlass einige Inhaberinnen und Inhabern interviewt.

Buchhandlung Bücherwurm, Zerzabelshof (Zabo), Nürnberg

Copyright: Manuela Mankus

Der-Leser.net: Weshalb brauchen wir die unabhängigen Buchhandlungen heute?

Inhaberin Manuela Mankus: Die unabhängigen Buchhandlungen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie ein Sortiment haben, welches sie selbst bestimmen und sehr vieles davon selbst gelesen haben! Sie können ihre Leserschaft sehr gut beraten, weil man miteinander ins Gespräch kommt und dabei viele Dinge abklären kann, was der-/diejenige sich für ein Buch kaufen möchte. Man kann viel aktiver sein mit Veranstaltungen vor Ort, Kooperationen mit anderen Kulturaktivisten, Kitas, Schulen etc. Man kann Veranstaltungen ausprobieren, die so vielleicht nicht in den klassischen Buchhandel hineinpassen würden (Hormon- Gesundheitsvorträge, Nacht der Philosophie etc.).

Was können die unabhängigen Buchhandlungen besser als die großen Ketten und der Onlinehandel?

Sie sind auf alle Fälle viel flexibler, weil sie direkt entscheiden können. Wir haben z.B. beim Lockdown nebenan beim Dönerladen eine Abholstation gemacht, damit die Kunden an ihre bestellte Waren kommen. Das ging von heute auf morgen ganz spontan und die Menschen vor Ort waren dankbar dafür!

Wodurch zeichnet sich Ihre Buchhandlung besonders aus? Was liegt Ihnen am Herzen?

Uns zeichnet vor allem das Persönliche aus, der Humor, das Gespräch, was wir immer wieder mit den Kunden suchen. Wir kennen durch 23 Jahre Kundenbindung ganz viele Kunden, weswegen wir gute Buchtipps als Geschenke geben können, wenn z.B. Frau Meier ein Buch für Frau Müller sucht, da wir Frau Müller eben gut kennen. Und das Persönliche liegt uns auch am Herzen.
Genauso liegt uns die Leseförderung in Kitas und Schulen am Herzen. Wir laden immer wieder Schulklassen ein in den Laden, gehen in Kitas mit Buchvorstellungen und haben selbst Kreatives Schreiben für Kinder ab der 3. Klasse sowie Kinderlesungen im Angebot bei uns im Bücherwurm. Auch die Kultur vor Ort in den Stadtteil zu bringen ist uns sehr wichtig, damit die Menschen vor Ort einfach nur ein paar Straßen gehen müssen, um einen schönen Abend zu haben.

Welches Buch oder welche Bücher empfehlen Sie Ihren Kunden aktuell?

„Wo geht’s denn hier zum Glück“ von Maike van den Boom, Fischer Verlag. Das ist genau das Buch für diese triste Jahreszeit, und es setzt einen Gegenpol zu Corona, weil es einem schon beim Lesen gut tut. Die Rückmeldungen und Verkäufe sprechen dafür, denn es wird dann auch verschenkt, sobald man es gelesen hat.

Wie sind Sie bisher durch die Coronakrise gekommen?

Ich bin bisher bestens durch die Krise gekommen, da ich zu den Gewinnern gehöre. Denn seit Corona lesen die Menschen viel mehr (weil alle kulturellen Veranstaltungen weg fallen) und die Kinder und Jugendlichen brauchen auch eine Beschäftigung, um nicht nur vor den technischen Geräten zu hängen.

Buchhandlung Bücherwurm, Waldluststraße 78, 90480 Nürnberg
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 9:00 bis 13:30 Uhr und 15:00 bis 18:30 Uhr; Samstag: 9:00 bis 13:00 Uhr
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Buchhandlung Pelzner, Nürnberg-Eibach

Copyright: Buchhandlung Pelzner

Der-Leser.net: Welche Aktionen machen Sie zur Woche der unabhängigen Buchhandlungen?

Doris Höreth, Inhaberin mit Thomas Höreth: Wir haben in den letzten Jahren viele Aktionen gemacht. Unter anderem haben wir die fünf ausgewählten Titel, die Liehlingsbücher der unabhängigen Buchhandlungen, einzeln vorgestellt wie das literarische Quartett. Die Kunden konnten kommen und sich das anhören. Es gab die WUB-Tüten und Anstecker. Den Kunden wurden Tee, Scones und Shortbread angeboten. Aber das geht heuer alles wegen Corona nicht. Trotzdem haben wir ein Schaufenster zu den Indie-Büchern eingerichtet. Vor der Buchhandlung wird es in diesem Jahr eine Marktbude geben, wo die bestellten Bücher eingepackt werden. Aber Teatime kann es dieses Jahr nicht geben. Autoren konnten dieses Jahr leider auch nicht kommen.

Weshalb brauchen wir die unabhängigen Buchhandlungen heute?

Wir empfinden uns als Kulturtankstellen in unserer Gegend. Jetzt, wo die Theater und Kinos geschlossen sind, kommen die Leute zu uns. Literatur geht einfach immer. Buchhandlungen und Bibliotheken sind momentan kulturelle Tankstellen. Unsere Kunden, die wir gut kennen, bekommen bei uns Lesungen, einen Lesekreis und Veranstaltungen zur Leseförderung.

Was können die unabhängigen Buchhandlungen besser als die großen Ketten und der Onlinehandel?

Wir können besser beraten und kennen die Kunden besser. Außerdem können wir unsere persönlichen Leidenschaften besser austoben. Jeder unserer Buchhändler kennt sich in einem Bereich besonders gut aus. Wir können besonders gut einzelne Nischen besetzen und individuell beraten.

Wodurch zeichnet sich Ihre Buchhandlung besonders aus? Was liegt Ihnen am Herzen?

Uns liegen die individuelle Beratung sowie die Leseförderung besonders am Herzen. Meine persönliche Leidenschaft ist das Kinderbuch. Außerdem versuchen wir eine Anlaufstelle für die Kultur in unserem Stadtteil zu sein.

Welches Buch oder welche Bücher empfehlen Sie Ihren Kunden aktuell?

Mein Lieblingsbuch momentan steht auf der Shortlist der unabhängigen Buchhandlungen: „Die Unschärfe der Welt“ von Iris Wolff. Ansonsten mag ich sehr gerne „Die heilige Henni der Hinterhöfe“, außerdem zurzeit „Hamster im hinteren Stromgebiet“ von Joachim Meyerhoff. Meine absolute Leidenschaft gehört „Dachs und Stinktier“, einem Kinderbuch aus dem cbj Verlag mit großartigen Illustrationen von Jon Klassen.

Wie sind Sie bisher durch die Coronakrise gekommen?

Wir sind sehr gut durch die Coronazeit gekommen. Uns geht es wahrscheinlich wie vielen unabhängigen Buchhändlern. Wir konnten unsere Kunden gut bedienen, indem wir alles ausgeliefert haben. Wir haben Bestellungen über Whatsapp und übers Internet angekommen. Wir hatten einen Fahrradkurier und haben in den letzten Monaten Umsatzplus gemacht. Unsere Kunden waren unglaublich solidarisch. Wir profitieren davon, dass das Buch eines der wenigen kulturellen Angebote momentan ist. Wir haben aber auch einen Teil gespendet und an den Stadtteil zurückgegeben.

Buchhandlung Pelzner, Eibacher Hauptstraße 50, 90451 Nürnberg
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 9:00 bis 18:00 Uhr; Samstag: 9:00 bis 13:00 Uhr
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Autorenbuchhandlung, München

Copyright: Autorenbuchhandlung

Der-Leser.net: Welche Aktionen machen Sie zur Woche der unabhängigen Buchhandlungen?

Inhaberin Karin Staisch: Wir machen gerne Lesungen oder ein Schaufenster mit Büchern von besonderen Verlagen und kleinen Indie-Verlagen. Diesmal können wir aber wegen der Corona-Krise leider keine Lesungen veranstalten.

Weshalb brauchen wir die unabhängigen Buchhandlungen heute?

Die unabhängigen Buchhandlungen haben den Vorteil, dass sie eine individuelle Buchauswahl treffen können, nach den Vorlieben der Inhaber und auf die Kunden zugeschnitten. In unabhängigen Buchhandlungen werden häufiger Bücher jenseits des Mainstreams angeboten und verkauft. Die Kunden machen dort Entdeckungen, die sie woanders nicht finden können.

Was können die unabhängigen Buchhandlungen besser als die großen Ketten und der Onlinehandel?

Unabhängige Buchhandlungen sind flexibler, freier, können auf tagesaktuelle Geschehnisse reagieren, müssen keine Vorgaben einer Kette erfüllen und weniger Kompromisse machen.

Wodurch zeichnet sich Ihre Buchhandlung besonders aus? Was liegt Ihnen am Herzen?

Die Autorenbuchhandlung in München hat eine lange Geschichte und sehr viele Stammkunden. Wir kennen die meisten von Ihnen mit Namen, alle werden sehr individuell bedient und beraten. Wir machen Lesungen und haben einen Jugendlese-Club.
Unser Sortiment ist auf gute Belletristik spezialisiert, anspruchsvolle Kinder- und Jugendbücher, Lyrik und Politik, Philosophie und wichtige Sachbücher zu Natur, Umwelt, Zeitgeschehen.
Wir haben keine Ratgeber, keine Unterhaltung, nur sehr wenige Krimis.
Es liegt mir sehr am Herzen, alle meine Kunden fundiert und ausführlich zu beraten und diese kleine Buchhandlung als Begegnungsstätte und analogen Ort am Leben zu erhalten, angefüllt mit Büchern, die es verdient haben, gelesen zu werden.

Welches Buch oder welche Bücher empfehlen Sie Ihren Kunden aktuell?

Aktuell empfehlen wir zum Beispiel: Iris Wolff: „Die Unschärfe der Welt“, Pierre Jaravan: „Ein Lied für die Vermissten“, James Baldwin: „Giovannis  Zimmer“, Lea Singer: „La Fenice“, Lori Gottlieb: „Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden“.

Wie sind Sie bisher durch die Coronakrise gekommen?

Durch die Corona Krise sind wir bisher gut gekommen, dank unserer treuen Stammkunden. Wir haben im Lockdown sehr viele Bestellungen bekommen, die mit dem Fahrrad ausgeliefert wurden. Aber auch seit Ende April ist der Umsatz besser als gewöhnlich.

Autorenbuchhandlung, Wilhelmstraße 41, 80801 München
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 9:00 bis 19:00 Uhr; Samstag: 10:00 bis 14:00 Uhr
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Gostenhofer Buchhandlung, Nürnberg Gostenhof

Copyright: Gostenhofer Buchhandlung

Der-Leser.net: Welche Aktionen machen Sie zur Woche der unabhängigen Buchhandlungen?

Inhaberin Rosemarie Reif-Ruppert: Lesungen und Buchvorstellungen sind heuer wegen Corona ja nicht gut möglich, deshalb verzichten wir darauf und konzentrieren uns auf individuelle Gespräche mit unseren Kunden. Dazu gibt es ein kleines Give-Away.

Weshalb brauchen wir die unabhängigen Buchhandlungen heute?

Damit die Vielfalt des Buches erhalten bleibt und Leser sich ortsnah und gut beraten mit Büchern versorgen können. Damit eine wichtige Stütze unserer Lese- und Schreibkultur und die unterschiedlichsten kulturellen Angebote auch weiterhin verfügbar bleiben.

Was können die unabhängigen Buchhandlungen besser als die großen Ketten und der Onlinehandel?

Die unabhängigen Buchhandlungen haben den Vorteil, dass sie sich schnell anpassen können. Zum Beispiel können sie ihre Buchhandlung von einem Tag auf den anderen in eine Versandbuchhandlung umwandeln. Außerdem sind sie nah beim Leser, sodass eine punktgenaue Beratung möglich ist. Sie sehen den Kunden als Ganzes, nicht nur als Käufer. Die unabhängigen Buchhandlungen können außerdem eigene Bestseller kreieren, abseits der bekannten Bestseller-Listen. Sie können kreative Ideen für Marketing, Veranstaltungen und Kundenbindung umsetzen.

Wodurch zeichnet sich Ihre Buchhandlung besonders aus? Was liegt Ihnen am Herzen?

Unsere Kunden sollen Entdeckungen machen können, deshalb gibt es hier nicht (nur) Mainstream, sondern vor allem ausgesuchte Literatur auch kleiner Verlage und Backlist, d.h. „alte“, aber bewährte Titel. Wir führen unsere Kunden gerne durch den inzwischen unübersichtlichen Dschungel an Neuerscheinungen und finden für jeden das richtige Buch.

Welches Buch oder welche Bücher empfehlen Sie Ihren Kunden aktuell?

Balzano, „Ich bleibe hier“
Harper, „Fatum“
Caminito, „Ein Tag wird kommen“
Tuil, „Menschliche Dinge“
Andina, „Tage mit Felice“
Kvinikadse, „Die Nachtigallen von Isfahan“
Wilkinson, „American Spy“
Camus, „Hochzeit des Lichts“
Jarawan, „Ein Lied für die Vermissten“
Disher, „Hope Hill Drive“ und vieles, vieles mehr.

Wie  sind Sie bisher durch die Coronakrise gekommen?

Dank unserer sehr treuen Kunden sind wir einigermaßen gut durch die Zeit gekommen, obwohl durch Corona jede Menge Büchertische und Veranstaltungen weggebrochen sind.

Gostenhofer Buchhandlung, Eberhardshofstraße 17, 90429 Nürnberg
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 9:00 bis 18:00 Uhr; Samstag: 9:00 bis 13:00 Uhr
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Neue Collibri Buchhandlung, Bamberg

Copyright: Neue Collibri Buchhandlung

Welche Aktionen machen Sie zur Woche der unabhängigen Buchhandlungen?

Inhaber Thomas Zölch-Buba: Dieses Jahr haben wir leider keine Aktion geplant. eigentlich wollten wir unsere Aktion von 2019 wiederholen: Zur Woche der unabhängigen Buchhandlungen sind namhafte Kinder- und Jugendbuch-AutorenInnen aus Bamberg und Umgebung zu Gast im Collibri. Sie übernehmen an diesem Tag in unserer Buchhandlungen die Geschicke: Sie signieren ihre Bücher, geben Buchtipps, empfehlen Bücher der Kollegen*innen, verpacken diese als Geschenk und machen die Buchhandlung an diesem Samstag zu ihrem Lieblingsort.
Sie erzählen, welche Bücher sie besonders inspiriert haben und wie wichtig der Algorithmus der unabhängigen Buchhandlungen ist.

Weshalb brauchen wir die unabhängigen Buchhandlungen heute?
Weil die Buchhandelslandschaft sonst eintönig und langweilig wäre. Je mehr Buchhandlungen unabhängig sind, umso individueller ist die Buchhandelslandschaft. Damit hat jeder Kunde die Möglichkeit eine Buchhandlung, die zu seinen Bedürfnissen passt, zu finden.

Was können die unabhängigen Buchhandlungen besser als die großen Ketten und der Onlinehandel?
Sie können besser Kundenbindungen aufbauen und pflegen und auf Kundenbedürfnisse individuell eingehen. Das ist unser Vorteil. Das hat sích besonders in der ersten Lockdown-Periode gezeigt.

Wodurch zeichnet sich Ihre Buchhandlung besonders aus? Was liegt Ihnen am Herzen?

Wir sind eine unabhängige, inhabergeführte Buchhandlung in Bamberg und führen ein allgemeines Sortiment mit zeitgenössischer Literatur für Erwachsene, Kinder und Jugendliche und alle, die gute Literatur zu schätzen wissen.
Aus der großen Fülle der veröffentlichten Bücher versuchen wir, die interessantesten Werke für Sie auszuwählen: Titel, die uns durch ihren Inhalt, gestalterische und herstellerische Qualität überzeugen, finden bei uns eine Heimat.

 Welches Buch oder welche Bücher empfehlen Sie Ihren Kunden aktuell?

Da hat jede/r KollegIn seine eigenen Favoriten, die wir auch gezielt im Laden präsentieren. Ein aktueller Buchtipp von mir: „Amigorena, Kein Ort ist fern genug“ aus dem Aufbau-Verlag

Wie  sind Sie bisher durch die Coronakrise gekommen?

Bis jetzt, muss ich sagen, sind wir sehr gut durch diese Krise gekommen.

Collibri Buchhandlung, Austraße 12, 96047 Bamberg
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 10:00 bis 18 Uhr; Samstag: 10:00 bis 16 Uhr
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Buchhandlung Lentner, Marienplatz, München

Jürgen Habermas in der philosophsichen Abteilung der Buchhandlung Lentner (Copyright: Buchhandlung Lentner)

Der-Lesern.net: Welche Aktionen machen Sie zur Woche der unabhängigen Buchhandlungen?

Geschäftsführer Franz Klug: Wir stellen einen unabhängigen Verlag vor und werben mit dem Material von der WUB.

Weshalb brauchen wir die unabhängigen Buchhandlungen heute?

Damit Vielfalt und Pluralität in der Buchlandschaft erhalten bleiben und nicht nur Spiegelbestsellerlisten verkauft werden.

Was können die unabhängigen Buchhandlungen besser als die großen Ketten und der Onlinehandel?

Sie können besser beraten und auf wunderbare Buchperlen auch jenseits des Mainstreams hinweisen.

Wodurch zeichnet sich Ihre Buchhandlung besonders aus? Was liegt Ihnen am Herzen?

Wir zeichnen uns durch unser Liebe zum besonderen Buch, auch in der Ausstattung,  aus. Besonders freuen wir uns, dass unsere feine Philsophie-, Lyrik- und Klassikabteilung sehr gut angenommen wird.

 Welches Buch oder welche Bücher empfehlen Sie Ihren Kunden aktuell?

Romane: Vilas Manuel, „Reise nach Ordesa“; Schäfer Andreas, „Das Gartenzimmer“; Köpf Gerhard, „Palmengrenzen“.
Biographie: Wendt Gunna, „Henrik Ibsen und die Frauen“; Ostritsch Sebastian, „Hegel“.   
Lyrik: Celan Paul, „Gedichte“.
Sachbücher: Michael Eskin, „Schwerer werden leichter sein“; Jürgen Habermas, „Auch eine Geschichte der Philosophie“; Rancière Jacques, „In welchen Zeiten leben wir?“.

Wie  sind Sie bisher durch die Coronakrise gekommen?

Wir schaffen das. Dank unserer Stammkunden.

Buchhandlung Lentner, Marienplatz 8, 80331 München
Öffnungszeiten: Montag: 10:00 bis 19:00 Uhr; Dienstag: 10:00 bis 20:00 Uhr; Mittwoch bis Freitag: 10:00 bis 19:00 Uhr; Samstag: 10:00 bis 18:00 Uhr
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BücherInsel in Frauenaurach, Erlangen

Copyright: BücherInsel Frauenaurach

Der-Leser.net: Welche Aktionen machen Sie zur Woche der unabhängigen Buchhandlungen?

Inhaberin Beate Laufer-Johannes: Normalerweise findet in der Buchhandlung eine kostenlose Autorenlesung mit einem oder mehreren örtlichen Autoren statt. In den letzten Jahren waren in dieser Zeit bei uns Tommie Goerz, Johannes Wilkes und Katharina Drüppel und Heike Heinlein zu Gast. Dazu gibt es eine leckere kulinarische Besonderheit. In diesem Jahr ist alles anders… Wir werden daher in dieser Woche Buchempfehlungsclips online stellen.

Weshalb brauchen wir die unabhängigen Buchhandlungen heute?

Unabhängige Buchhandlungen stehen für die unendliche Vielfalt im Buchhandel, jede hat ihr eigenes, individuell zusammengestelltes Sortiment, ihre persönlichen Schwerpunkte und kann damit Kunden-Orientierung im Bücherdschungel ermöglichen, abseits der Bestsellerlisten.

Was können die unabhängigen Buchhandlungen besser als die großen Ketten und der Onlinehandel?

Wir können viel rascher auf Veränderungen reagieren, sind oftmals sehr viel flexibler. Innovative Ansätze können schnell umgesetzt werden.

Wodurch zeichnet sich Ihre Buchhandlung besonders aus? Was liegt Ihnen am Herzen?

Meine Buchhandlung ist sehr stark im Vorort Frauenaurach verankert, aber wir haben auch viele Stammkunden aus anderen Stadtteilen. Diese schätzen die familiäre Atmosphäre und unsere persönlichen Buchempfehlungen. Mir liegt besonders am Herzen, Bücherperlen zu entdecken, abseits des Mainstream. Dabei kommt mir zugute, dass meine Mitarbeiter und ich sehr unterschiedliche Genres lesen. Das bereichert unser Sortiment ungemein.

Welches Buch oder welche Bücher empfehlen Sie Ihren Kunden aktuell?

Mein absolutes Lieblingsbuch in diesem Jahr ist „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber, ein Buch, dessen Start durch den Lockdown im März überlagert wurde: Paula trauert um ihren kleinen Bruder, der vor zwei Jahren ertrunken ist, und kommt aus diesem Marianengraben der Trauer nicht heraus. Bis sie nachts auf dem Friedhof dem alten Helmut begegnet, der gerade dabei ist, die Urne von Helga auszugraben, um sie mit in die Berge zu nehmen. Paula fährt kurzerhand mit in einem alten Wohnmobil, mitsamt Helgas Schäferhund und einem unterwegs aufgelesenen Huhn mit gebrochenem Bein. Was für ein unglaubliches Buch! Ich habe mit Paula mitgefühlt, geweint, aber auch herzhaft gelacht über die Situationskomik, ein Roman, der mich sehr berührt hat.

Wie sind Sie bisher durch die Coronakrise gekommen?

Wir haben die Krise bisher gut überstanden, haben allerdings den ersten Lockdown ohne Mitarbeiterinnen durchgearbeitet. Lediglich mein Mann und ich haben alle Bestellungen durchgeführt, Rechnungen geschrieben und größtenteils mit Fahrrad und Dreirad ausgeliefert. Jetzt haben wir ein gut durchdachtes Hygienekonzept, so dass wir wieder mit mehreren Personen zusammenarbeiten können, das erleichtert vieles.

BücherInsel in Frauenaurach, Wallenrodstraße 1, 91056 Erlangen
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 9:00 bis 13:00 Uhr und 14:30 bis 18:00 Uhr; Samstag: 9:00 bis 13:00 Uhr
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Nach diesen Gesprächen über den Buchhandel und zur Woche der unabhängigen Buchhandlungen geht es zum Abschluss noch um das Buch selbst:

Die Shortlist der unabhängigen Buchhandlungen

Abschließend sollen noch die fünf Bücher vorgestellt werden, die auf der Shortlist der unabhängigen Buchhandlungen 2020 stehen. Am Samstag, den 7. November, wird das Lieblingsbuch der Unabhängigen in einem Livestream verkündet. Die Online-Preisverleihung kann über die Social-Media-Kanäle der WUB ab 11 Uhr live mitverfolgt werden.

Marco Balzano: Ich bleibe hier.

Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.

Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Diogenes Verlag. 288 Seiten. 22 €

Charlotte McConaghy: Zugvögel.

Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Inmitten der exzentrischen Crew eines der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, vor ihrer Vergangenheit kann Franny nicht fliehen. Ihr folgt das Geheimnis eines Verbrechens, die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Und schon bald entwickelt sich die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer.

Aus dem Englischen von Tanja Handels. S. Fischer Verlag. 400 Seiten. 22 €

Benjamin Myers: Offene See.

Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen.

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel. DuMont Verlag. 270 Seiten. 20 €

Jasmin Schreiber: Marianengraben.

Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt – auf die eine oder andere Weise.

Eichborn Verlag. 256 Seiten. 20 €

Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt.

Ein Roman über Menschen aus vier Generationen, der auf berückend poetische Weise Verlust und Neuanfang miteinander in Beziehung setzt. Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte? In »Die Unschärfe der Welt« verbinden sich die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandten, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen. So entsteht vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein großer Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben.

Klett-Cotta Verlag. 216 Seiten. 20 €

Viel Freude mit euren eigenen Unterhaltungen mit euren Buchhändler*innen vor Ort und mit eurer aktuellen Lektüre! Vielleicht habt ihr ja die ein oder andere Empfehlung aus dem Artikel mitgenommen.

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