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16 Romane zum Thema Rassismus

Rassismus ist ein Thema, das uns auch heute noch beschäftigt. Und deshalb wird es in der Literatur immer wieder verhandelt, egal ob in Klassikern wie „Wer die Nachtigall stört“, in den Werken der Nobelpreisträgerin Toni Morrison, des amerikanischen Autors James Baldwin oder in aktuellen deutschen Erscheinungen… Wir stellen euch 16 Romane zum Thema Rassismus vor.

Angie Thomas: The Hate U Give.

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen…

Aus dem Englischen von Henriette Zeltner-Shane. ctb Verlag. 528 Seiten. 9,99 €

Colson Whitehead: Die Nickel Boys.

Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt. Erneut bringt Whitehead den tief verwurzelten Rassismus und das nicht enden wollende Trauma der amerikanischen Geschichte zutage. Sein neuer Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist ein Schrei gegen die Ungerechtigkeit.

Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Hanser Verlag. 224 Seiten. 23 €

Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst.

Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem fremden Hotelzimmer. Wütend und leidenschaftlich schaut sie auf unsere sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei auch die Geschichte ihrer Familie: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der mit siebzehn ums Leben kam. Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft einem zugewiesen werden.

Fischer Verlag. 352 Seiten. 21 €

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13 informative Bücher zum Thema Rassismus

Spätestens die Debatte um rassistisch motivierte Polizeigewalt in den USA, die „Black Lives Matter“-Bewegung, und zuletzt die Debatte um rassistische Tendenzen und in der deutschen Polizei haben es in unser aller Bewusstsein gerufen: Rassismus ist immer noch ein bedeutendes Problem in den westlichen Gesellschaften. Es gibt einen systemischen Rassismus.

Zahlreiche Menschen leiden unter Diskriminierungen, Beleidigungen und Ausgrenzungen. Aufklärung und Bildung sind ein Weg, um rassistischen Strukturen entgegenzutreten. Wir stellen euch aus diesem Grund 13 interessante Bücher zum Thema Rassismus und Antirassismus vor.

Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten.

Wer Rassismus bekämpfen will, muss Veränderung befürworten – und die fängt bei einem selbst an.
„Darf ich mal deine Haare anfassen?“, „Kannst du Sonnenbrand bekommen?“, „Wo kommst du her?“ Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch. Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören.
Alice Hasters erklärt es trotzdem. Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden.

hanserblau. 208 Seiten. 17 €

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Die USA unter Trump: 12 Bücher zur Lage in den USA

Am 3. November finden die US-Präsidentschaftswahlen statt. Die Entscheidung fällt zwischen dem aktuellen republikanischen Amtsinhaber Trump und dem demokratischen Herausforderer Joe Biden. Joe Biden liegt in den Umfragen teils deutlich vorn. Das gilt sowohl für die landesweiten Umfragen als auch für den umkämpften Swing-State Florida. Sollte Biden Florida gewinnen, ist ihm der Sieg wohl kaum noch zu nehmen. Doch auch Hillary Clinton hatte bei den letzten US-Wahlen einen Vorsprung in den Umfragen.

Eine wichtige Frage ist auch, wie Trump auf eine mögliche Wahlniederlage reagieren wird. Der Präsident – so muss man ihn leider nennen – hat in den Wochen und Monaten des Wahlkampfs immer wieder seine Zweifel am Wahlprozess geäußert. Er sagte, die Briefwahl diene dazu, einen großen Wahlbetrug einzuleiten. Für den entscheidenden Battleground-State Pennsylvania, den Trump braucht, um die Mehrheit im Wahlmännerkolleg zu bekommen, hat Trump angekündigt, dass seine Anwälte übernehmen werden, „sobald diese Wahl durch ist“.

Donald Trump, offizielles Protrait des Präsidenten, 2017. (Bild: Shealah Craighead)
Offizielles Portrait des Vizepräsidenten Joe Biden, 2013. (Bild: David Lienemann)



Mit den ersten Hochrechnungen kann man bei dieser Wahl in Deutschland erst am Morgen des 4. November rechnen. Bei den früheren Wahlen stand der Wahlsieger noch in der Wahlnacht fest. Das könnte dieses Jahr anders kommen, da wegen der Coronapandemie deutlich mehr Menschen per Briefwahl abgestimmt haben. Daher wird sich die Auszählung wohl hinziehen – um einige Tage oder länger.

Diese Zeit können wir nutzen, indem wir uns über die politische und gesellschaftliche Lage in den USA mit einem gut geschriebenen Sachbuch oder einem Essayband informieren. Aus diesem Grund stelle ich euch anlässlich der Präsidentschaftswahl zwölf interessante und thematisch passende Bücher vor.

Mary L. Trump: Zu viel und nie genug. Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf.

Mary L. Trump, Nichte des US-Präsidenten und promovierte klinische Psychologin, enthüllt die dunkle Seite der Familie Trump. Einen Großteil ihrer Kindheit verbrachte Mary im Hause ihrer Großeltern in New York, wo auch Donald und seine vier Geschwister aufwuchsen. Sie schildert, wie Donald Trump in einer Atmosphäre heranwuchs, die ihn für sein Leben zeichnete und ihn letztlich zu einer Bedrohung für das Wohlergehen und die Sicherheit der ganzen Welt machte.
Als einziges Familienmitglied ist Mary Trump dazu bereit, aus eigener Anschauung die Wahrheit über eine der mächtigsten Familien der Welt zu erzählen. Ihre Insiderperspektive in Verbindung mit ihrer fachlichen Ausbildung ermöglicht einen absolut einmaligen Einblick in die Psyche des unberechenbarsten Mannes, der je an der Spitze einer Weltmacht stand.

Aus dem Englischen von Christiane Bernhardt, Pieke Biermann u. a. Heyne Verlag. 288 Seiten. 22 €

Richard Russo: Sh*tshow. Erzählung.

David und Ellie, zwei gutsituierte, in der Großstadt lebende, pensionierte Akademiker sind zufrieden mit ihrem Leben. Bis zu dem Tag, an dem Donald Trump zum Präsidenten gewählt wird. Plötzlich wird ihnen alles fremd: ihr Land, ihr Leben, sie sich selbst. Ihre Tochter, die längst im liberalen Kalifornien lebt, kann ihnen nicht helfen. Und dann ist da noch dieser Freund, von dem sie glauben, dass er nur so tut, als hätte er Hillary gewählt …
Spätestens als Ellie eines Tages Fäkalien im eigenen Pool entdeckt, findet die „Sh*tshow“ nicht mehr nur im metaphorischen Sinne statt. Aber dieser spektakulär niederträchtige Akt des Vandalismus ist nur das erste in einer Kette politischer und privater Ereignisse, die sich verheerend auf die eigentlich so behagliche Existenz des Paares auswirken.

Aus dem Englischen von Monika Köpfer. DuMont Verlag. 80 Seiten. 10 €

John Bolton: Der Raum, in dem alles geschah. Aufzeichnungen des ehemaligen Sicherheitsberaters im Weißen Haus.

John Bolton diente 519 Tage als Sicherheitsberater unter Donald Trump, zumeist „in dem Raum, in dem alles geschah“. Mit beinahe täglichen Treffen zählte er zu den engsten Vertrauten des US-Präsidenten. Doch was er da sah, überraschte ihn. Er musste erfahren, dass es Trump gar nicht um das Wohl der Nation geht, sondern immer nur um Selbstinszenierung und darum, mit allen Mitteln wiedergewählt zu werden.
In seinem Buch berichtet Bolton aus erster Hand über Trumps Verfehlungen, seine rechtswidrigen Aussagen und Handlungen. Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater des Präsidenten verfügt über exklusives Detailwissen und Insiderinformationen bezüglich der Machenschaften des mächtigsten Mannes der Welt.

Aus dem Englischen von Shaya Zarrin und Patrick Baumgärtel. Das Neue Berlin. 640 Seiten. 28 €

Bob Woodward: Wut.

Trump im Visier der Journalistenlegende Bob Woodward: Ein Präsident zwischen Corona und Wirtschaftskrise, zwischen unbeirrbaren Anhängern und neuem Widerstand

Donald Trump hat die USA in eine tiefe Krise geführt. Die Corona-Pandemie, deren Gefahr er bewusst runterspielte, legt offen, welche Wunden seine Präsidentschaft gerissen hat. Nun stehen Gesundheitssystem und Wirtschaft am Rande des Zusammenbruchs. Wie reagiert der US-Präsident auf die Krise? Bob Woodward hat in den vergangenen Monaten 18 Interviews mit dem Präsidenten geführt, mit Mitarbeitern und Opponenten gesprochen, Mails, Tagebücher und vertrauliche Briefe ausgewertet, um das Portrait eines Mannes zu zeichnen, der zwischen Verdrängung, Angriff und Momenten des Zweifels schwankt. Eine bahnbrechende, scharfsichtige, intime Reportage: das bleibende Buch über Trumps Präsidentschaft.

Aus dem Englischen von Henriette Zeltner-Shane, Thomas Gunkel u. a. Hanser Verlag. 550 Seiten. 24 €

Elmar Thevessen: Die Zerstörung Amerikas: Wie Donald Trump sein Land und die Welt für immer verändert.

Donald Trump ist der Präsident der mächtigsten Nation der Erde. Er kommandiert nicht nur die schlagkräftigsten Streitkräfte auf dem Globus, sondern steht auch an der Spitze der nach wie vor stärksten Wirtschaftsmacht. Seine Entscheidungen beeinflussen Hunderte Millionen Menschen in aller Welt, es geht um Krieg und Frieden, Leben und Tod.
Doch wie hat Trumps Präsidentschaft Amerika, die Amerikaner und die Position ihres Landes in der Welt verändert? Welche dramatischen und vielleicht unumkehrbaren Auswirkungen hat die Amtszeit eines bösartigen Narzissten, der – selbst in der größten Krise des Landes seit vielen Jahrzehnten – immer nur auf den besten Deal für sich selbst aus ist und Menschenverachtung zum politischen Prinzip erklärt?
Dieses Buch basiert auf umfangreichen Recherchen und intensiven Gesprächen mit führenden Politikern, hochrangigen Militärs, einflussreichen Wirtschaftsmanagern und herausragenden amerikanischen Journalisten. Es bietet die scharfe Analyse eines Amerikas, das nie mehr so sein wird, wie es einmal war, und zeigt, was das für uns bedeutet.

Piper Verlag. 320 Seiten. 22 €

Evan Osnos: Joe Biden: Ein Portrait.

Der Journalist Evan Osnos begleitet den Kandidaten der Demokratischen Partei seit Jahren und hat ihn immer wieder interviewt, zuletzt im Sommer 2020. Diese und weitere Gespräche mit Angehörigen und Weggefährten wie Barack Obama bilden die Grundlage dieser Nahaufnahme des 1942 geborenen Biden, in dessen Werdegang sich die Veränderungen der politischen Kultur der USA spiegeln.
Mit gerade einmal 29 Jahren wurde der Sohn eines Autohändlers in den US-Senat gewählt. Seinen Amtseid legte er ab, nachdem er nur wenige Wochen zuvor seine erste Frau und seine Tochter bei einem Autounfall verloren hatte. Nach Höhen und Tiefen führte ihn seine Karriere schließlich als Vizepräsident ins Weiße Haus. Joe Biden hat dramatische Schicksalsschläge und überraschende Wendungen erlebt. Vielleicht versetzt ihn gerade das in die Lage, eine zerrissene Nation zu einen, die Wunden der Trump-Ära zu heilen und einen neuen politischen Aufbruch zu ermöglichen.

Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff und Stephan Gebauer. Suhrkamp Verlag. 263 Seiten. 18,95 €

Stephan Bierling: America First. Donald Trump im Weißen Haus: Eine Bilanz.

Donald Trump vereinigt ein beachtliches Bündel von „Firsts“ in seiner Amtszeit. Er ist der erste Präsident der USA, der zuvor noch nie eine Funktion in Politik oder Militär innehatte. Er ist der älteste jemals neugewählte Präsident und der erste Milliardär im Weißen Haus. Er hat mehr Minister und Berater entlassen als jeder seiner Vorgänger. Und er ist der erste Präsident, der nach einem überstandenen Impeachment-Verfahren eine zweite Amtszeit anstrebt. Ein Star des Reality-TV hält im Weißen Haus die Hebel der Macht in seiner Hand. Stephan Bierling zeigt in seinem informativen Buch sachlich und mit klarem Urteil, welche erschreckenden Resultate diese Präsidentschaft hervorgebracht hat.

C.H. Beck Verlag. 271 Seiten. 16,95 €

Klaus Brinbäumer/Stephan Lamby: Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe.

Nach vier Jahren einer fatalen Präsidentschaft sind die USA eine wütende, nur noch im Hass vereinte Nation – und erleben in der gegenwärtigen Weltkrise eine multiple Katastrophe. Der ehemalige Chefredakteur des SPIEGEL Klaus Brinkbäumer und der preisgekrönte Dokumentarfilmer Stephan Lamby berichten von den zahlreichen Fronten. Ihr Buch ist eine investigative Reportage über ein zerfallendes Land, das seinen Kompass und seine Wahrheiten verloren hat.

C.H. Beck Verlag. 391 Seiten. 22,95 €

Eliot Weinberger: Neulich in Amerika.

Eliot Weinberger ist nicht nur einer der origi­nellsten Essayisten, er ist auch einer der schärfsten politischen Kommentatoren der USA. In seinen Texten über die Politik unter den Regierungen Bush und Trump lässt er Fakten sprechen: Nachrichtendetails, Aus­sagen von Politikern, die den Wahnsinn, der in den USA zum Alltag geworden ist, in all seinen bizarren Auswüchsen präsentieren. Nichts fehlt: der Irakkrieg, fromm homophobe und rassistische Republikaner, Konzentrations­lager für geflüchtete Kinder, nicht zu vergessen Donald Trumps Empfehlungen zum Umgang mit einem Virus. Weinbergers Chroniken aus dem republikanischen Amerika sind erschütternde Bilder einer verstörten Gesellschaft.

Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Beatrice Faßbender. Berenberg Verlag. 272 Seiten. 16 €

Rebecca Solnit: Die Dinge beim Namen nennen. Essays.

Spätestens seit dem Wahlerfolg Donald Trumps erhalten wir tagtäglich Beispiele dafür, wie gespalten das Land ist und welch tiefe Gräben Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Gentrifizierung, Klassen- und eine verfehlte Umweltpolitik in die Gesellschaft schlagen. Ob die Anfeindungen Hillary Clintons im Wahlkampf, tödliche Polizeieinsätze, unterdrückte Wählerstimmen, das unsolidarische Ideal des Selfmademans oder die Leugnung des Klimawandels – in aller Deutlichkeit benennt Rebecca Solnit himmelschreiende Missstände des heutigen Amerika. Zugleich erteilt sie der Resignation eine klare Absage und ruft zum Glauben an die eigene Macht und zum Handeln auf, denn: „Hoffnung ist der Glaube daran, dass das, was wir tun, möglicherweise von Belang ist. Das Wissen, dass die Zukunft jetzt noch nicht geschrieben ist.“

Aus dem Englischen von Kirsten Riesselmann und Bettina Münch. Hoffmann und Campe Verlag. 320 Seiten. 22 €

Torben Lutjen: Amerika im Kalten Bürgerkrieg. Wie ein Land seine Mitte verliert.

Einst galten die USA als Musterbeispiel eines stabilen demokratischen Staates. Mit den Republikanern und den Demokraten gab es zwei unideologische Parteien mit moderaten Politikern. Heute gibt es Donald Trump. Warum wurde Trump gewählt? Was sind die Gründe für die tiefe Spaltung des Landes, das früher einmal als Heimat des Pragmatismus galt, und das sich, anders als Europa, stets von gefährlichen Utopien ferngehalten hat? Ist Donald Trump die Ursache oder das Symptom?

WBG Theiss. 208 Seiten. 20 €

Susan B. Glasser: Briefe aus Trumps Washington.

In ihren „Briefen aus Trumps Washington“, die Susan B. Glasser seit Ende 2017 aus der amerikanischen Hauptstadt für „The New Yorker“ schreibt, bietet die Journalistin tiefe Einblicke in die „post-faktische“ Trump-Präsidentschaft. Mit besten Verbindungen, großem Insider-Wissen und scharfer Beobachtungsgabe beschreibt sie Trumps immer radikaleren, Gesetze brechenden Kurs, der die Spaltung der US-Gesellschaft vertieft und zur Erosion der amerikanischen Vormachtstellung in der Welt führt.

Herausgegeben von Henning Hoff. Aus dem Englischen von Matthias Hempert. Weltkiosk. 208 Seiten. 20 €

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18 schöne Bücher aus unabhängigen Verlagen

Das Netzwerk „Schöne Bücher“ bringt zweimal jährlich ein Magazin mit Lesetipps aus mehr als 50 unabhängigen Verlagen heraus. Auf jeder Doppelseite präsentiert ein unabhängiger Verlag die eigene Philosophie sowie drei Bücher aus dem aktuellen Programm.

Der 100-seitige Katalog hat sich zum Ziel gesetzt, etwas Übersichtlichkeit in die kaum zu überblickende Masse an Neuerscheinungen zu bringen, immerhin ingesamt 80.000 Titel jedes Jahr. Ich möchte euch heute meine Auswahl von 18 Titeln vorstellen, die ich aus diesem Katalog entnommen habe.

Lothar Becker: Als Großvater im Jahr 1927 mit einer Bombe in den Dorfbach sprang, um die Weltrevolution in Gang zu setzen.

Eigentlich hätte Großvater lieber per Dekret die Dummheit verboten. Doch sein Freund Herbert, der im Dorf die Hühner schlachtet und wie er eher versehentlich in die Kommunistische Partei eingetreten ist, hat eine andere Idee, wie man die Weltrevolution in Gang setzt: natürlich mit einer Bombe in einer Machtzentrale der herrschenden Klasse! Nachdem ein erster Anschlag auf eine unschuldige Rathaustreppe im Nachbarort noch nicht ganz den gewünschten Erfolg erzielt, flüchtet er mit seiner neuen Freundin Else nach Wien und gerät in die Fänge von Genosse Schmidt und Genossin Olga, die einen weitaus größeren Beweis für seine Loyalität zur Partei einfordern: Er soll den Stephansdom sprengen. Lothar Beckers liebevoll-grotesker Roman ist eine ironische Abrechnung mit Ideologien, Weltanschauungen und den mit ihnen verbundenen Heilserwartungen.

Carpathia Verlag. 256 Seiten. 20 €

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Kanadische Literatur: Gastland/Ehrengast Kanada 2020/21 – die 32 besten Bücher

Unter dem Motto „Singular Plurality – Singulier Pluriel“ ist Kanada im Jahr 2020/21 der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, die von 14. bis 18. Oktober 2020 digital stattfindet. 2021 wird Kanada noch einmal der Ehrengast der Buchmesse sein (20. bis 24. Oktober 2021), dann aber voraussichtlich mit einer echten Messepräsenz an Ort und Stelle in Frankfurt am Main.

Die Literatur und Kultur Kanadas zeichnet sich durch eine charakteristische Vielfalt aus, allein schon aufgrund der unterschiedlichen Sprachen, die in dem Land gepflegt werden: Französisch ist Amtssprache in der Provinz Québec, Englisch wird im gesamten Land verstanden und gesprochen, dazu kommen mehrere indigene Sprachen.

Online findet sich eine Internetpräsenz zum Gastlandauftritt. Im Folgenden werden die besten Bücher des kanadischen Gastlandauftritts mit Bild, Klappentext, bibliographischen Angaben und Link vorgestellt. Viel Freude mit der Literatur und den Texten!

Margaret Atwood: Die Zeuginnen.

»Und so steige ich hinauf, in die Dunkelheit dort drinnen oder ins Licht.« – Als am Ende vom »Report der Magd« die Tür des Lieferwagens und damit auch die Tür von Desfreds »Report« zuschlug, blieb ihr Schicksal für uns Leser ungewiss. Was erwartete sie: Freiheit? Gefängnis? Der Tod? Das Warten hat ein Ende! Mit »Die Zeuginnen« nimmt Margaret Atwood den Faden der Erzählung fünfzehn Jahre später wieder auf, in Form dreier explosiver Zeugenaussagen von drei Erzählerinnen aus dem totalitären Schreckensstaat Gilead. »Liebe Leserinnen und Leser, die Inspiration zu diesem Buch war all das, was Sie mich zum Staat Gilead und seine Beschaffenheit gefragt haben. Naja, fast jedenfalls.Die andere Inspirationsquelle ist die Welt, in der wir leben.«

The Booker Prize 2019.

Aus dem Englischen von Monika Baark. Berlin Verlag. 576 Seiten. 25 €

Margaret Atwood: Der Report der Magd.

Die provozierende Vision eines totalitären Staats, in dem Frauen keine Rechte haben: Die Magd Desfred besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben … Margaret Atwoods „Report der Magd“ ist ein beunruhigendes und vielschichtiges Meisterwerk, das längst zum Kultbuch avanciert ist.

Aus dem Englischen von Helga Pfetsch. PIPER Taschenbuch. 416 Seiten. 12 €

Marie-Claire Blais: Drei Nächte, drei Tage.

Eine sonnendurchflutete Insel, irgendwo im Golf von Mexiko. Hier leben Menschen in Reichtum, andere in extremer Armut. Und hier versucht eine Frau namens Renata sich nach einem Eingriff auszukurieren. Doch ihre Unruhe gilt nicht nur ihrer Gesundheit, Renata schwankt zwischen hedonistischen Ausschweifungen und der Verantwortung für andere, zwischen der Schönheit der Welt und ihrer Ungerechtigkeit. Währenddessen finden auf der ganzen Insel Festivitäten statt – man feiert die Geburt eines Kindes und das Ende des 20. Jahrhunderts –, es versammelt sich ein schillerndes Ensemble an Charakteren: Künstler, Drag-Queens, Ku-Klux-Klan-Mitglieder, Kinder, die in unschuldige Spiele vertieft sind, Geflüchtete der benachbarten Inseln. Sie alle verbindet eine innere Zerrissenheit und das unausweichliche, sie umgebende Meer.

Aus dem Französischen von Nicola Denis. Suhrkamp Verlag. 391 Seiten. 24 €

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Weltlehrertag: 9 Bücher für Lehrerinnen und Lehrer

Am 6. Oktober wird seit 1994 der Weltlehrertag begangen. Dieser erinnert an die „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“, welche 1966 von der UNESCO und der Internationalen Arbeitsorganisation angenommen wurde. Der Weltlehrertag soll uns ein Anlass sein, 9 Bücher für Lehrerinnen und Lehrer vorzustellen, die – oft mit einem Augenzwinkern – aus dem nicht immer ganz einfachen Schulalltag berichten oder ihnen mit Ratschlägen unter die Arme greifen. Viel Freude mit den Büchern!

Norbert Golluch: Das Survivalhandbuch für Lehrer: Entspannt von Ferien zu Ferien.

Katastrophen können sich immer und überall ereignen. Vor allem im Klassenzimmer geht es oft ums schiere Überleben. Dieses Handbuch bereitet jeden Lehrer auf die Extreme des harten Schulalltags vor. Mit der dafür notwendigen Einstellung, der richtigen Ausstattung und einem ungebrochenen Willen wird er fit gemacht für eine Welt voller Gefahren:
Ob sieben Nächte unter Wilden (aka Klassenfahrt), der Elternbesuch des Grauens, pubertierende Zombies oder die obligatorischen Rangfolgenkämpfe im Lehrerzimmer – Geistesgegenwart und Kampfgeist können jedem Pädagogen das Leben retten.
Ein unerlässlicher Ratgeber für Referendare und Profis. Garantiert vorurteilsbehaftet, subjektiv und pädagogisch zweifelhaft!

Riva Verlag. 96 Seiten. 9,99 €

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30 Jahre Deutsche Einheit: 17 Bücher zur Wiedervereinigung

Am 3. Oktober feiert Deutschland 30 Jahre Wiedervereinigung. 41 Jahre lang, von 1949 bis 1990, war das Land in die DDR und in die BRD geteilt. Und bis heute macht sich die Teilung bemerkmar. Wir stellen 17 Bücher – sowohl neue und ältere Romane als auch Sachbücher – vor, die sich mit dem Thema West und Ost und Wiedervereinigung auseinandersetzen. Viel Freude mit den Büchern!

Aktuelle Romane

Lutz Seiler: Stern 111.

Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlassen Inge und Walter Bischoff ihr altes Leben – die Wohnung, den Garten, ihre Arbeit und das Land. Ihre Reise führt die beiden Fünfzigjährigen weit hinaus: Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lange gehegten Traum, einem »Lebensgeheimnis«, von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Carl wiederum, der den Auftrag verweigert, das elterliche Erbe zu übernehmen, flieht nach Berlin. Er lebt auf der Straße, bis er in den Kreis des »klugen Rudels« aufgenommen wird, einer Gruppe junger Frauen und Männer, die dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreibt. Im U-Boot der Assel schlingert Carl durch das archaische Chaos der Nachwendezeit, immer in der Hoffnung, Effi wiederzusehen, »die einzige Frau, in die er je verliebt gewesen war«.
Ein Panorama der ersten Nachwendejahre in Ost und West, ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse.

Suhrkamp Verlag. 528 Seiten. 24 €

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Buchpreise im Herbst: Ein Überblick

Deutscher Buchpreis 2020.

Im Herbst steht alljährlich die Vergabe einer Reihe von Buchpreisen an. Da gibt es den Wilhelm Raabe-Literaturpreis (Preisverleihung: 23. September 2020), den Deutschen Buchpreis (12. Oktober), den Österreichischen Buchpreis (9. November 2020) und die Hotlist der besten Bücher aus unabhängigen Verlagen (6. Oktober)

Am 23. September wurde bereits der mit 30.000 Euro dotierte Wilhelm Raabe-Literaturpreis, gestiftet von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk, an Christine Wunnicke für ihren Roman Die Dame mit der bemalten Hand (Berenberg Verlag) vergeben. Die übrigen Preisverleihungen werden folgen.

Dieser Artikel möchte eine Übersicht über die Shortlist des Deutschen Buchpreises und die Hotlist bieten, indem die nominierten Werke mit Bild, Klappentext und bibliographischen Angaben vorgestellt werden. Dazu werden Rezensionen verlinkt. Zuletzt wird die Longlist des Österreichischen Buchpreises präsentiert.

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32 schöne Bücher aus unabhängigen Verlagen

Katalog der Kurt-Wolff-Stiftung 2020/21

„Es geht um das Buch!“, heißt es, wenn einmal im Jahr der Katalog der Kurt-Wolff-Stiftung erscheint. Darin präsentieren 65 spannende unabhängige Verlage sich selbst und ihre Programme. Vor Kurzem ist der neue Katalog für das Jahr 2020/21 veröffentlicht worden. Im folgenden Beitrag werde ich euch aus diesem Anlass meine persönliche Auswahl der interessantesten Romane aus unabhängigen Verlagen vorstellen. Die Romane habe ich aus dem Katalog der Kurt-Wolff-Stiftung ausgewählt.

Eine kleine Vorwarnung: Der Artikel könnte etwas länger werden, die Liste ebenfalls. Das liegt aber daran, dass er euch ausreichend Stoff für neues Lesefutter bieten soll und genau denjenigen Büchern Raum geben soll, die in den Buchhandlungen nicht an vorderster Stelle präsentiert werden und die auch im Internet und Feuilleton weniger Aufmerksamkeit erhalten. Jetzt geht es aber los mit der Bücherliste. Viel Freude damit!

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Bücher wie „Ein wenig Leben“

Mein absolutes Lese-Highlight dieses Jahres war „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Das Buch, das ich bisher nicht auf dem Blog rezensiert habe, behandelt die Lebensläufe von vier College-Freunden in New York, die ein Leben lang ihre Freundschaft pflegen werden. Im Zentrum der Gruppe steht der erfolgreiche und sympathische Jude, der als Anwalt Karriere macht. Er muss zugleich mit seiner traumatischen Vergangenheit zurechtkommen, von der er lange Zeit niemandem erzählt, da er sich für die Narben von gestern schämt.

Was mir an „Ein wenig Leben“ gefallen hat, war nicht nur der Inhalt – die lebenslange Freundschaft von vier einander eng verbundenen, vertrauen Personen, die man im echten Leben kaum je so finden wird, sondern vor allem auch die raffinierte, ja manipulative Erzählweise mit Rückblenden in die Vergangenheit, die es verstand, die Leserinnen und Leser über 960 Seiten im Bann zu halten und einen gelungenen Spannungsbogen aufzubauen. Manchmal musste ich das Buch zur Seite legen, weil mir die Schilderungen von Judes vergangenen Erlebnissen etwas nahe gingen, doch im Großen und Ganzen hat mir die Lektüre den Atem geraubt.

Alternativen für die Zeit nach „Ein wenig Leben“

Doch ich habe bereits viel zu viel über „Ein wenig Leben“ geredet. Denn heute möchte ich über Bücher sprechen, die ähnlich wie „Ein wenig Leben“ sind. Ich habe in den vergangenen Wochen hin und wieder in Buchhandlungen explizit die Frage an Buchhändlerinnen gestellt, ob sie mir ein Werk empfehlen können, das eine solche Ähnlichkeit besitzt. Manche Buchhändlerinnen waren daraufhin etwas ratlos, weil „Ein wenig Leben“ demnach für sich allein stehe und nichts anderes an es herankomme, andere haben ihr Glück probiert. Die Werke, die mir die zweite Gruppe vorschlug, werde ich euch im Folgenden kurz vorstellen: