„Die pinke Linie“ von Mark Gevisser

Mit Bezug auf Viktor Orbáns Ungarn hat sich in den letzten Wochen eine Debatte entsponnen, in deren Zentrum die Rechte von LGBT-Menschen stehen. Mark Gevisser, der Autor des Sachbuchs „Die pinke Linie“, würde diesen Kampf zwischen fortschrittlichen und konservativen Kräften als eine pinke Linie bezeichnen, die durch Europa, aber auch durch das Land Ungarn selbst verläuft. Solchen pinken Linien spürt Gevisser in seinem Buch mit viel Detailliebe und Sachverstand nach.

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Zum 150. Proust-Jubiläum: Marcel Prousts Fragebogen / le questionnaire de Proust

Am 10. Juli, also gestern, feierte man allenthalben das 150. Jubiläum von Marcel Prousts Geburtstag. Es ist nunmehr anderthalb Jahrhunderte her, dass Proust auf die Welt kam. Der Autor des siebenbändigen Monumentalwerkes und Jahrhundertromans „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ist nicht nur für seine erlesenen literarisch-ästhetischen Gedankengänge, seine umfassenden Natur-, Personen-, Beziehungs- und Gesellschaftsbetrachtungen des fin de siècle und seine Gedanken zum Thema Erinnerung, Vergessen und Zeit bekannt. Er beantwortete als Jugendlicher und junger Mensch mehrmals Fragebögen, in denen er selbst Auskunft über sich gab. Diese Fragebögen, denen sich Marcel Proust erstmals im Jahr 1887 und danach erneut 1892 unterzogen hat, nehme ich zum Anlass für meinen ersten Beitrag zu Marcel Proust, um das 150. Jubiläum zu würdigen.

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„anders fühlen“ von Benno Gammerl

Benno Gammerl verfasst mit „anders fühlen“ eine besondere Geschichte der Schwulen- und Lesbenbewegung in der Bundesrepublik, indem er den Fokus auf die private und öffentliche Emotionsgeschichte der schwulen und lesbischen Menschen zwischen den 1950er und 1980er Jahren legt. Er wirft einen Blick auf das Leben dieser Personen auf dem Land und in der Stadt und zeichnet die Entwicklung der Schwulen-, Lesben- und Frauenbewegung nach, deren Rechte nicht so linear vorankamen, wie es bisweilen dargestellt wird.

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„Abschied ohne Ende“ von Wolfgang Hermann

Der österreichische Schriftsteller Wolfgang Hermann hat mit „Abschied ohne Ende“ einen Roman über den Tod seines 17-jährigen Sohnes geschrieben. In lyrischer Sprache und nahegehender Weise verarbeitet der Erzähler das Unvorstellbare und schafft damit in der Literatur einen zeitlosen Raum für das, wofür man sonst nur schwer Worte findet.

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Verlagsvorschauen im Herbst 2021

Seit einiger Zeit sind die Verlagsvorschauen für den kommenden Herbst veröffentlicht. Das heißt: Neue Bücher, neue Geschichten. Ich habe mich in den letzten Tagen durch die Herbstprogramme gelesen und dabei die vielversprechendsten Bücher herausgesucht, die ich euch in diesem Artikel vorstellen möchte. Herausgekommen ist dabei eine subjektive Auswahl, die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben möchte oder kann. Viel Freude mit den Empfehlungen!

Herta Müller: Der Beamte sagte.*

Die in Rumänien geborene und in Berlin lebende Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller veröffentlicht in diesem August einen neuen Roman im Hanser Verlag, in dem sie in Form von Collagen erzählt, die sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Der Roman handelt von Geflohenen, von dem Gefühl der Ohnmacht in einem Heim für Geflüchtete und der Willkür der Entscheidungen in einer Prüfstelle, und zuletzt auch vom Heimweh derer, die ihre Heimat verlassen mussten. Die Bilder, die Herta Müller findet, „sind rätselhaft, abgründig, manchmal auch komisch, und immer hochpoetisch.“ (Verlagstext)

Hanser Verlag. 164 Seiten. 24 €. Erscheinungsdatum: 23.08.2021.

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„Der ferne schöne Klang“ von Zep

Nach den zwei Sci-Fi-Comics „Paris 2119“ und „The End“ veröffentlicht Zep, der für seine Titeuf-Reihe bekannt ist, eine weitere Graphic Novel für Erwachsene: In „Der ferne schöne Klang“ widmet er sich den leiseren und tieferen Moll-Tönen des Lebens. Denn es geht um den Kartäusermönch Marcus, der seit Jahrzehnten sein Kloster nicht verlassen hat, aber nun, um eine Erbschaft antreten zu können, nach Paris reisen muss. Dabei begegnet er auf der Straße einer Frau, die ihn wieder mit den Seiten des Lebens vertraut macht, die er bereits vergessen hatte.

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„You don’t look gay“ von Julius Thesing

Julius Thesings Comic- und Jugend-Buch „You don’t look gay“, das fast vollständig in einem Rosaton gehalten ist, erinnert in leicht zugänglicher Art daran, dass Homosexuellenfeindlichkeit auch in westlichen und europäischen Ländern nach wie vor ein Problem ist – sei es im Alltag oder in der Politik. Außerdem zeigt Thesings Comic beispielhaft, wie ein Coming-out-Prozess abläuft, und macht anderen Mut.

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In eigener Sache: Warum ich auf meinem Blog künftig Affiliate-Werbung platziere…

Buch- oder Literaturbloggen ist eine noble, anspruchsvolle Tätigkeit, der man nicht nachgeht, weil man damit Geld verdient, sondern weil man Freude daran hat, Bücher zu lesen und zu besprechen, und weil es einen bereichert, sein Wissen zu erweitern und in fremde Welten einzutauchen. Manchmal erhält man auch Rückmeldung von Blog-Leserinnen und -Lesern oder Verlagen, die Emails schreiben oder Kommentare abgeben – das ist die Währung, die Form der Anerkennung und das Lob, von dem ich bislang gezehrt habe und die mich darin bestärkt hat, weiter zu bloggen.

In den letzten Wochen und Monaten ist aber der Entschluss in mir gereift, dass es legitim ist, mit der eigenen Webseite auch etwas Geld zu verdienen, sie, wie man das in der Fachsprache ausdrückt, zu monetarisieren. Die Impulse dazu kamen einerseits von außen, weil ich hin und wieder von Freunden und Bekannten gefragt wurde, ob ich mit dem Blog etwas verdiene, andererseits aber auch aus meinem eigenen Wunsch heraus, eine greifbare Anerkennung zu erhalten. Konkret habe ich mich dazu entschieden, an einem Affiliate-Programm teilzunehmen. Es ist für mich ein Experiment mit offenem Ausgang, welches ich hier für meine Leserinnen und Leser transparent machen möchte.

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„Penelopes zwei Leben“ von Judith Vanistendael

Die belgische Comiczeichnerin und -autorin Judith Vanistendael legt mit „Penelopes zwei Leben“ eine Graphic Novel über die moderne Odyssee einer Ärztin zwischen dem syrischen Bürgerkrieg und ihrer Heimat Belgien vor. Darin thematisiert werden Fragen wie: Was macht der Krieg mit einem? Woran kann man sich noch festhalten, wenn man mit extremer Gewalt und Grausamkeit konfrontiert wurde? Wie geht das Leben danach weiter? Ist ein normales Familienleben in der Heimat dann noch möglich?

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„Unsichtbare Tinte“ von Patrick Modiano

In „Unsichtbare Tinte“ beschäftigt sich der französische Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano mit seinem Lieblingsthema: dem Kontrast von Erinnern und Vergessen und den Geschichten, die aus diesem spannungsreichen Verhältnis entstehen können. In dem Roman sucht ein Pariser Detektiv über Jahre hinweg mit einiger Ausdauer nach einer verschwundenen Frau, von der von einem Moment auf den anderen jede Spur zu fehlen scheint. Doch er gibt nicht auf, merkt er doch nach einiger Zeit, dass irgendetwas ihn mit dieser mysteriösen Vermissten verbindet…

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