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Rezension

Die Kopenhagen-Triologie von Tove Ditlevsen

Tove Ditlevsens autobiographische Kopenhagen-Trilogie ist in diesem Frühjahr in aller Munde. In den Werken „Kindheit“, „Jugend“ und „Abhängigkeit“ beschreibt die dänische Schriftstellerin (1917-1976) im Rückblick ihr Aufwachsen im Kopenhagener Arbeiterviertel Vesterbro der 1920er und 1930er Jahre, ihre Anfänge als Dichterin sowie ihre aufeinanderfolgenden Beziehungen mit Männern und Medikamentenabhängigkeit. Die Trilogie lässt die Leserinnen und Leser an einem wechselhaften Dichterinnen-Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Dänemark teilhaben.

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Rezension

„Insel der verlorenen Erinnerung“ von Yoko Ogawa

Die japanische Schriftstellerin Yoko Ogawa verfasste mit „Die Insel der verlorenen Erinnerung“ eine Dystopie, in der die Erinnerungen auf einer namenlosen Insel nach und nach verloren gehen, solange bis kaum noch etwas übrig bleibt. Damit gelingt der Autorin eine eindringliche Parabel, die vor autoritären Tendenzen und Überwachungsfantasien warnt.

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Rezension

„Kurzes Buch über Tobias“ von Jakob Nolte

Jakob Nolte schreibt mit „Kurzes Buch über Tobias“ einen ungewöhnlichen Roman über einen studierten Schriftsteller namens Tobias und dessen unerwartete Bekehrung zum christlichen Glauben. Außerdem erleben wir, wie Tobias mit einem anderen Mann namens Tobias zusammenlebt, der ein Kind von ihm möchte. Was an diesem vielschichtigen Text schwer zu verstehen ist, erläutert die Rezension.

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Lyrikkabinett Poesie

Aus dem Lyrikkabinett: „Mein Name ist Ausländer“ von Semra Ertan

Semra Ertan war eine engagierte türkische Poetin und Arbeiterin in Deutschland. Im Jahr 1982 verbrannte sich die 25-jährige Frau aus Protest gegen den Rassismus in Hamburg. Zu ihrer Lebenszeit fand sie als Tochter von Einwanderern keinen Verlag, der ihre Werke veröffentlichen wollte. Die edition assemblage widmet der Dichterin nun posthum eine eigenständige Sammlung von ca. 200 Gedichten.

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Rezension

„Bel-Ami“ – eine Liebeserklärung an Maupassants großen Roman (Gastbeitrag von Arne Ulbricht)

Maupassants umfangreichster Roman „Bel-Ami“ erschien im Frühjahr 1885. Zuerst, wie damals üblich, als Fortsetzungsroman in einer Zeitung. (Im Gil Blas, wo kurz zuvor Zolas epochaler Roman „Germinal“ veröffentlicht worden war und auch immer wieder Maupassants Kolumnen und Novellen publiziert wurden.) Dann gedruckt als Buch. Ein Gastbeitrag von Arne Ulbricht.

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Comic & Graphic Novel Rezension

„Unfollow“ von Lukas Jüliger

Mit „Unfollow“ zeichnet Lukas Jüliger die Graphic Novel, die thematisch die Fridays-for-Future-Bewegung aufgreift. Dabei treibt er die Intentionen der Protestbewegung auf die Spitze. Es handelt sich um eine turbulente Klima- und Umwelt-Protestgeschichte zwischen versierter Technik- und Social-Media-Nutzung im Dienst der Sache und etwas sektiererischer demonstrativer Rückkehr zur Natur.

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Comic & Graphic Novel Rezension Schöne Literatur

Graphic Novels zu Ludwig van Beethoven

2020 feiern wir den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven. In diesem Beethoven-Jahr sind nicht nur zahlreiche Sondersendungen zu dem Ausnahmekomponisten über den Äther gegangen, sondern auch einige Graphic Novels erschienen, die sich mit seiner Person befassen. Wir stellen „Beethoven: Unsterbliches Genie“ (Carlsen, 2020) von Peer Meter und Rem Broo und „Goldjunge: Beethovens Jugendjahre“ (avant-verlag, 2020) von Mikael Ross vor.

Die beiden Werke sind allein schon deshalb sehr verschieden, weil sich beide einem anderen Zeitraum in Beethovens Leben widmen: Während „Goldjunge: Beethovens Jugendjahre“ sich, wie der Titel bereits sagt, Beethovens Kindheit, Jugend und ersten Jahren als Musiker in Wien zuwendet, wohnt man in „Beethoven: Unsterbliches Genie“ dem Tod des Komponisten bei und erfährt post mortem interessante Geschichten und Anekdoten aus seinem Leben.

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Comic & Graphic Novel Rezension Schöne Literatur

„Der Tod in Venedig“ nach Thomas Mann von Susanne Kuhlendahl

„Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann ist eine klassische Novelle, um die man nicht umhinkommt, wenn man sich mit deutscher Literatur beschäftigt. Susanne Kuhlendahl hat die Geschichte um den Schriftsteller Gustav von Aschenbach und den von ihm geliebten Tadzio als Graphic Novel umgesetzt.

„Der Tod in Venedig“ erschien erstmals 1911 als Vorzugsausgabe, dann in der Literaturzeitschrift „Die Neue Rundschau“ und schließlich 1913 beim Fischer Verlag. Wie ein klassisches Drama ist die Novelle in fünf Akte gegliedert. Die Geschichte handelt von dem berühmten 50-jährigen Schriftsteller Gustav Aschenbach, der sein ganzes Leben auf Leistung ausgerichtet hat. Bereits als Kind hat er geschrieben, hatte keine Freunde, zeichnete sich sein Leben lang durch ungemeine Selbstbeherrschung und Disziplin aus. Für sein Werk „Friedrich“ über Friedrich von Preußen erhält er vom Fürsten den Adelstitel und darf sich fortan Gustav von Aschenbach nennen, worauf er wie auf seine übrigen Lebensleistungen sehr stolz ist.

Er lebt verwitwet in München, wo er eines Tages einen Spaziergang im Englischen Garten macht, der ihn bis zum Nordfriedhof führt. An der Aussegnungshalle steht ein fremder Mann in Reisekleidung und mit Basthut, der Aschenbach provokant anblickt. Der Protagonist wendet sich ab – und erlebt daraufhin „eine seltsame Ausweitung seines Inneren“, die sich zu einer Reiselust steigert. Von Aschenbach beschließt zu verreisen.

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Comic & Graphic Novel Rezension Schöne Literatur

„Die Buchhandlung der Wünsche“ von Shinsuke Yoshitake

Shinsuke Yoshitake hat mit „Die Buchhandlung der Wünsche“ eine Graphic Novel für „alle, denen Bücher die Welt bedeuten“, vorgelegt, ein Buch für Bücherfreunde, Büchernarren und Bibliophile. Denn er nimmt uns in diesem Comic mit in eine Buchhandlung, in der man alle möglichen Bücher über Bücher kaufen kann. Inhaber der Buchhandlung der Wünsche ist ein sympathischer Buchhändler mittleren Alters mit Halbglatze und Schnurrbart, der seine Kundinnen und Kunden freundlich bedient.

Wenn im Laufe des Buches immer wieder kleine Szenen inszeniert werden, bei denen Menschen verschiedenen Alters und Geschlechts – vom Kind über den Geschäftsmann bis zur älteren Dame oder zum älteren Herrn – in den Laden kommen, um nach Büchern zu bestimmten Themen zu fragen, antwortet der Buchhändler jedes Mal: „Und ob! Die haben wir!“ und legt sofort eine Auswahl von einigen Büchern auf den Ladentisch. Die Buchhandlung der Wünsche scheint also keine Wünsche offen zu lassen.

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Lyrikkabinett Rezension

Aus dem Lyrikkabinett: „Barfuß vor Penelope“ von Volker Sielaff

Volker Sielaff
(Copyright: Harald Krichel)

Volker Sielaff, 1966 in der Lausitz geboren, lebt als Lyriker und Publizist in Dresden. Seit 1990 veröffentlicht er Gedichte, Essays und Kritiken. „Barfuß vor Penelope“ ist bereits sein vierter Lyrikband.

Dieser Gedichtband lebt teilweise davon, dass er eine ganze Myriade von abendländischen philosophischen und literarischen Traditionen aufgreift – von mythologischen Figuren wie Odysseus, Kirke über die im Titel genannte Penelope bis hin zu den Figuren der Orestie – und neu verbindet. Es kommt durchaus vor, dass Hochkulturelles neben Banalem und Gewöhnlichem steht. Einen gewissen Willen, hin und wieder mit besonders innovativen Kombinationen zu provozieren kann man dem Dichter nicht absprechen.

Zu Penelope, die ihren Frust /
wegwebt. Zu ihrer Lust auf den Bogen. Liebe zu Persern, Aischylos, /

zur Orestie. Zu Hannes Hegen, dem letzten Genie. Zum Spatz /
in der Hose, zur Umkehrosmose. Liebe zu jedem Nebenarm von Elbe /
und Spree, zu deinem Slip auf dem Kanapee.

Was die Form anbelangt, bleibt die Dichtung von Volker Sielaff weitgehend traditionell. Die Gedichte bestechen durch Binnenreime oder Kreuzreime, sie sind in Strophenformen, weitgehend Quartette, gegossen. Thematisch und motivisch deckt die Dichtung von „Barfuß vor Penelope“ eine sehr weite Bandbreite ab.