Kategorien
Rezension

„Was Nina wusste“ von David Grossmann

David Grossmann gehört zu den wichtigsten israelischen Schriftstellern der Gegenwart. Mit seinem neuen Roman Was Nina wusste legt er einen intensiven Familienroman vor, der die bewegte Geschichte von Eva Panić-Nahir, einer ehemaligen Inhaftierten der Gefängnisinsel Goli Otok unter dem Tito-Regime in Jugoslawien, sowie die Auswirkungen dieses Traumas auf die Familiengeschichte fiktional aufbereitet.

Der Roman zeichnet sich vor allem zu Beginn durch seine vielfältigen Handlungsstränge aus, in denen man sich zunächst zurechtfinden muss, da Gegenwart und Vergangenheit in wechselnden Episoden erzählt werden. Berichtet wird die Geschichte aus der Perspektive der 39-jährigen Gili, der Enkelin der aus Jugoslawien nach Israel ausgewanderten Jüdin Vera.

Nach Veras Ankunft im israelischen Kibbuz lernte diese ihren zweiten Ehemann, den verwitweten Tuvia, kennen, mit dem sie eine Familie gründete und sich ein neues Leben aufbaute. Beide brachten Kinder mit in die Ehe, er den Sohn Rafael sowie Hannah und Esther, sie die Tochter Nina.

Doch die Vergangenheit konnte keiner der beiden völlig loslassen: Tuvia dachte immer noch an seine an einer Krankheit gestorbene Frau, die er gepflegt hatte; Vera hing weiterhin an der Liebe zu ihrem ersten Mann Miloš, der sich in Jugoslawien in einem Folterkeller des Geheimdienstes UDBA das Leben genommen hatte, nachdem er als vermeintlicher Regimegegner des Titoismus verhaftet worden war. Über Vera sagte ein Mann aus dem Kibbuz zu Tuvia:

Sie ist dir ebenbürtig, eine Frau mit Werten wie du, Tuvia. Du musst wissen, sie hat Sachen erlebt, das ist kaum zu glauben, und noch kann nicht über alles reden.

Nina und Rafael, die zweite Generation, lernen sich durch einen Zufall, unabhängig von Vera und Tuvia, auf einem Feldweg im Kibbuz kennen – und verlieben sich ineinander. Vor allem für Rafael ist Nina die Liebe seines Lebens, die er nie vergessen können wird, egal wie sehr sie vor ihm und der Liebe davonläuft, ihm wehtut und damit seine Liebe auf die Probe stellt. Denn Nina leidet unter einem tief sitzenden Trauma, das sie immer wieder dazu bringt, vor der Familie und ihren ursächlichen Problemen wegzulaufen.

Es ist die titelgebende Sache, die Nina wusste, welche ihr in ihrer Kindheit und Jugend bleibende und bis in die Gegenwart anhaltende Schmerzen und psychische Schäden zugefügt hat – eine Mischung aus dem Gefühl, sich verloren und verraten zu fühlen, und dem Wunsch, bei ihrer Mutter zu sein und geliebt zu werden.

Diese wurde nämlich, als Nina sechseinhalb war, für knapp drei Jahre als erklärte Feindin des Staates in dem auf einer Insel gelegenen Umerziehungslager Goli Otok inhaftiert, da sie nicht bereit war, ihren Mann als Verräter darzustellen. Dort herrschten Folter, Zwangsarbeit, Hunger, Durst und Schikane, mit denen die Gefangenen gebrochen werden und dazu gebracht werden sollten, andere zu denunzieren. Die eingesperrten Frauen mussten Felsen einen Berg hinauf und hinunter rollen.

Die Tochter ließ Vera während dieser Zeit allein zurück. Sie wuchs während ihrer Abwesenheit bei Tante und Onkel auf, die sie allerdings schlecht behandelten, da sie nicht verkraftet hatten, dass Vera einen serbischen Nichtjuden geheiratet hatte. Von dem Trauma des Verlassenwerdens hat sich Nina nie erholt – und es wirkt sich, bis zum Zeitpunkt des Erzählgeschehens unausgesprochen, bis in die Gegenwart auf die zerklüftete Familie aus.

Der Zeitpunkt, zu welchem die Erzählzeit – von Rückblenden abgesehen – einsetzt, ist die Feier zu Veras 90. Geburtstag, zu welcher Nina aus einem Dorf im hohen Norden Norwegens anreist, wo sie nach einer Zeit in den USA inzwischen wohnt. Tuvia ist mittlerweile gestorben, Rafael lebt allein, Gili wohnt mit ihrem Mann Meir kinderlos zusammen. Es ist der erste Besuch Ninas in Israel seit fünf Jahren, sodass eine gewisse Bedeutung, aber auch eine Schwere, die sich aus den ungeklärten Verhältnissen und den Schatten der Vergangenheit speist, auf dieser familiären Begegnung liegt. Die Familie weiß um das schwierige Verhältnis zwischen Tochter Nina und ihrer Mutter Vera, die beide ein Geheimnis verbindet:

Unsere Familie hat immer gewusst, dass die Grenzlinie zwischen Vera und Nina ein infektiöser Ort ist, sogar ein bösartiger, und dass wir Brucks gut daran tun, uns ihm nicht zu nähern.

Der erste Teil des Romans widmet sich der familiären Vergangenheit. Er ist eindeutig der schwächere Teil, da die eigentliche Handlung in der Gegenwartsebene hier kaum vorankommt, sodass man sich als Leserin oder Leser fragt, wohin die zahlreichen Rückblenden führen. Man tritt beim Lesen auf der Stelle, es handelt sich um ein lang anhaltendes retardierendes Moment der Rückschau und Reflexion von Beziehungen und Familienvergangenheit. Außerdem wird parallel das Geschehen des 90. Geburtstags und die Vorbereitung eines Films über die Familie berichtet, den die Filmschaffende Gili vorantreiben möchte.

Wir erfahren in diesem Teil, wie Nina Rafael verlassen hat, um ein Vagabundenleben zu führen, wie Rafael sich auf die Suche nach ihr machte, wie er sie schließlich in Jerusalem fand und dass Rafael einer schädlichen Beziehung nachläuft. Erzählerin Gili hält Nina für eine „Lebensartistin“. Den Begriff hat sie aus einem Beziehungsratgeber, in dem es heißt, dass Lebensartisten sehr gefühlsarme Menschen seien, die ihre Affektivität nur vorgaukeln. Als Rafael und Nina sich nach ihrem Wiedertreffen in der israelischen Hauptstadt wieder zusammentaten, wurde die „arme Gili“ geboren, wie Nina sie nennt:

(U)nd seitdem sind wir zusammen und auch nicht zusammen, und unterdessen wurde auch die arme Gili geboren, und jetzt ist alles noch komplizierter (…).

Doch drei Jahre später verschwand Nina wieder, um in New York zu leben, wo sie wechselnde Liebesbeziehungen mit verschiedenen Männern hatte. Rafael kümmerte sich von da an mithilfe von Vera und Freunden allein um Gili.

Auch während Veras Geburtstagsfeier klafft die alte Wunde zwischen Nina und Vera wieder auf. Danach erzählt Nina zunächst Rafael, daraufhin dem Rest der Familie davon, dass sie an Demenz erkrankt ist und in einigen Jahren unter den Folgen der Erkrankung leiden wird. Die Familie ist schockiert. Bevor Nina vergessen wird, was sie nun weiß, möchte sie noch einmal Veras komplette Geschichte hören: ihre einzigartige Liebesgeschichte mit Miloš und die Wahrheit über ihre Geschichte in Jugoslawien. Dabei soll eine Kamera mitlaufen und ein Film entstehen, den sie sich vielleicht später noch einmal ansehen kann. Doch was davon wird sie mit einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung noch verstehen?

Außerdem schlägt Nina vor, dass sie für zwei, drei Tage gemeinsam nach Kroatien reisen könnten, zu Veras Geburtsort und nach Goli Otok. Also machen sich Vera, Rafael, Nina und Gili auf die Reise. Gili besteht gegenüber ihrem Vater darauf, dass es ihr eigener Film werden soll, der aus diesem Trip hervorgeht. Zu Beginn der Reise herrschen in der Gruppe Spannungen zwischen Gili und Nina, die ihre Tochter alleingelassen hat, und zwischen Nina und Vera, die dasselbe getan hat. Das unheilvolle Schicksal der Familie, das Trauma des Verlassenwerdens von der eigenen Mutter, hat sich von einer Generation in die nächste vererbt.

Zwischen Rafael, Vera und Gili sind die Beziehungen hingegen sehr gut und eng, da die beiden Gili bereits aus einer großen persönlichen Krise geholfen haben, nachdem sie sich nach der Trennung von ihrem ersten Partner hatte umbringen wollen, und sie darüber hinaus zu zweit großgezogen haben. Nun ist Gili seit sechs Jahren mit Meir zusammen, mit dem sie ein Kind möchte. Ausführlich wird der Beginn der Reise, die Ankunft am Flughafen und in Zagreb geschildert.

Es sind viele Baustellen und Handlungsstränge, die Grossmann gleichzeitig aufmacht, ein paar Lebensdramen zu viel, die er seinen bisweilen davon ermüdeten Leserinnen und Lesern zumutet. Und muss man Gili wirklich die Formulierung einer späten „Abtreibung“ in den Mund legen, wenn sie davon spricht, dass ihre Mutter sie mit dreieinhalb Jahren mit ihrem Vater zurückließ? Man fragt sich, ob nicht die Geschichte von Vera und die unmittelbar damit verbundenen Erzählstränge sowie die Reise der vier genug Stoff geboten hätte. Vermutlich versteht es Grossmann allerdings als seine Pflicht, bis ins letzte Detail zu gehen, um die Nähe zu den Figuren herzustellen, die für seine Erzählweise charakteristisch ist.

Autor Grossmann hat außerdem sehr viel Mühe auf die Frage verwendet, wie er die Erzählstruktur gestaltet: Gili ist wie ihr Vater Rafael Filmemacherin. Schon als 17-Jährige arbeitete sie am Set ihres Vaters und Mentors als Skriptgirl, dessen Aufgabe darin bestand, all das bis ins kleinste Detail zu bemerken und zu notieren, was vor und hinter der Kamera geschah, da dies für die spätere Produktion und das Schneiden des Filmes relevant war. Ihr Vater arbeitete mit einem großen Ernst an seinen Filmen, auch wenn er letztlich keinen großen Durchbruch als Regisseur hatte und deshalb sein Geld als Sozialarbeiter für schwierige Jugendliche verdient.

Auch der vorliegende Text kann als Ergebnis der Tätigkeit eines Skriptgirls verstanden werden, da von Veras 90. Geburtstagsfeier an ein Film gedreht wird, dessen Inhalt, Umstände und Herstellung Gili detailliert wiedergibt und kommentiert. Wie sie es als junge Frau und Filmschaffende gelernt hat, hält Gili fest, was sich im Umfeld der Kamera abspielt – szenisch, plastisch, oft dialogisch, aber auch mögliche Gedanken und Gefühle der Betroffenen berücksichtigend. Gili befragt die verschiedenen Beteiligten der erzählten Geschichte und gibt deren Version jeweils wieder. Manchmal widersprechen sich die Erzählungen.

Immer wieder werden das Abfilmen, der Filmvorgang, die Vorgänge hinter und neben der Kamera beschrieben. Die Entstehung eines Films ist für diesen Roman die Rahmenerzählung, der die Handlung mit den zahlreichen Rückblenden folgt.

Nach der Landung in Kroatien beginnt der zweite und wesentlich spannendere Teil des Romans, die Reise durch Veras alte Heimat. Die vier Reisenden fahren zunächst in Veras Geburtstagsstadt Čakovec, eine Stadt mit 50.000 Einwohnern im Nordwesten des Landes. Veras Eltern hatten dort ein Handelshaus und führten ein wohlhabendes Leben mit Bediensteten und einer Gouvernante, die sich um die Tochter kümmerte.

Nun erfahren wir auch mehr über die Geschichte Veras und ihrer Liebe zu Miloš. Sie lernte ihn, einen großen Soldaten und Offizier mit Philosophenstirn, 1936 beim Tanzen beim Abschlussball des Gymnasiums im Café Kavana Royal kennen:

Und ich genieße es, so zu tanzen, und zum ersten Mal denke ich, das ist vielleicht, was Leute nennen Liebe.

Vera

An diesem serbischen Soldaten gefiel Vera, dass er sich für seine bescheidene Herkunft nicht schämte, sondern im Gegenteil stolz darauf war und sie vor sich hertrug. Außerdem konnte er hervorragend tanzen und hatte Charakter. Ihm konnte niemand vorschreiben, was er zu denken hatte. Miloš war zwar ein Goj, ein Nichtjude, doch „genau die Seele, was ist gekommen für mich auf die Welt“, sagt Vera. Auch ihre Eltern erkennen den Nichtjuden als ihren künftigen Schwiegersohn bald an. Nach fünf Jahren konnten die beiden heiraten, daraufhin waren sie 15 Jahre zusammen, ehe Miloš 1951 starb.

Für die Heirat musste Vera mit ihrer Mutter nach Makedonien reisen, da ihr Mann zwangsversetzt worden war, als das serbische Militär erfahren hatte, dass er mit einer Jüdin zusammen war. In der Regierung saßen damals bereits Pro-Deutsche. Miloš war Offizier im Reiterregiment von Tito, außerdem war er im Zweiten Weltkrieg wie Vera auch als Partisan in den Wäldern tätig und wurde zu einem Kriegshelden. Miloš und Vera waren Kommunisten, doch Miloš, der seit jeher mit zahlreichen Krankheiten zu kämpfen hatte, glaubte bereits als junger Mensch nicht mehr an das Gute im Menschen, obwohl er Idealist und Humanist war. Vera erzählt, dass es zwischen ihr und Miloš einen seelischen und körperlichen Bund gab. Im ersten halben Jahr ihrer Ehe haben sie nur gesprochen, über Bücher, Politik, Ideen, Programme, ehe sie dann auch körperlich wurden:

Was hab ich verloren! Ein solches Glück, wie wir gehabt haben, gibt es nicht nochmal auf Welt, keine Frau, glaub ich, hat erlebt solches Glück mit ein Mann.

Vera

Den Krieg verbrachte Vera im Dorf von Miloš‘ Eltern. Sie engagierte sich wie auch Miloš bei den Partisanen, wurde zweimal von den Tschetniks erwischt und zum Tode verurteilt und entkam beide Male. Veras Eltern wurden von den Nazis nach Auschwitz deportiert. Als Vera keine Neuigkeiten von ihrem Mann hörte, der im Krieg kämpfte, machte sie sich mitten im Krieg mit seinem Vater auf den Weg, um ihn zu suchen. Nach dem Krieg waren die beiden in der Gegenspionage der Volksbefreiungsarmee Jugoslawiens OZNA aktiv.

Infolge von Titos Bruch mit der Sowjetunion ließ dieser Gulags für die Unterstützer Stalins einrichten. 1949 wurde die Adria-Insel Goli Otok als Umerziehungslager für jugoslawische Stalinisten und Anhänger der Sowjetunion errichtet. 55.000 Menschen wurden aus der Partei ausgeschlossen, zwischen 11.000 und 18.000 Personen wurden auf Goli Otok (Männerlager) oder Sveti Grgur (Frauenlager) inhaftiert.

Vera erzählt ihren Verwandten von ihrer Zeit im Frauenlager, in welcher sie unter anderem Felsen in Steinbrüchen wälzen musste, als menschlicher Schattenspender für einen Setzling diente und eine Zeitlang erblindete. Zunächst hatte man Miloš abgeholt, dann kam, einige Tage später, ein Mann im schwarzen Mantel, der Vera von zuhause mitnahm. Eigentlich ging es dabei allerdings um den zu diesem Zeitpunkt bereits toten Miloš, den ehemaligen Kriegshelden, der nach seinem Selbstmord als Verräter und Stalinist hingestellt werden sollte.

Einige Passagen, die von Goli Otok handeln, sind nicht wie das restliche Buch aus Gilis Sicht erzählt, sondern aus einer auktorialen Erzählperspektive eines nicht genannten Erzählers. Diese Passagen, die auch typographisch vom Rest des Buches abgehoben sind und angenehm zu lesen sind, zeigen, dass eine solche ungebrochene Erzählweise sich auch über noch längere Strecken angeboten hätte.

Wer das Buch liest, merkt: Es ist Veras entscheidender Fehler gewesen, sich für ihren toten Mann anstatt für ihre lebende Tochter entschieden zu haben. Denn sie war nicht bereit zu unterschreiben, Miloš zu verleugnen und damit die Liebe ihres Lebens zu verleugnen. Damit stellte sie die Liebe zu einem Mann über die Mutterliebe. Für die Außenstehenden, die Erzählerin Gili eingeschlossen, ist diese Entscheidung schwer zu verstehen. „Unterschreib doch endlich“, flüstert Gili ihrer Großmutter mehrmals zu, zunächst leise, dann laut, als sie die Geschichte erzählt. Doch für Vera stand es außerfrage, dass sie die unbändige Liebe zu Miloš wählen musste.

Nina, die Wissende, ist die Leidtragende, sie wäre mit ihrer Mutter sogar ins Gefängnis gegangen, nur um weiterhin bei ihr zu sein:

„Ich wäre mit dir auch in die Hölle gegangen (…), nur um bei dir zu sein, jeden Tag und jede Nacht. (…) Nur daran habe ich gedacht. Bei dir sein. Nur bei dir sein.“
Vera senkt ihren Kopf. Das geht über ihre Kräfte.

Auf der Reise nach Kroatien entspannen sich die Mutter-Tochter-Beziehungen mit der fortschreitenden Offenheit der Beteiligten, die allesamt dazu aufgefordert sind, ihren Teil zum Filmprojekt beizusteuern, ihren Beitrag zur Geschichte zu leisten. Vera und Nina kommen sich ebenso wie Nina und Gili Schritt für Schritt nahe. Sie alle verbindet der Schock über Ninas bevorstehende Demenzerkrankung und das Interesse an Veras Vergangenheit in Jugoslawien.

Der Roman Was Nina wusste ist eine einfühlsam erzählte Familiengeschichte, aber auch ein Kriegsroman und ein psychologischer Roman über eine große Liebe, über eine beginnende Krankheit, über Verrat und ein tief verwurzeltes Trauma, das eine Gruppe Beteiligter gemeinsam auf einer Reise ins Land seiner Entstehung aufarbeitet. Es erfordert eine geteilte Anstrengung, sich dem kollektiven Trauma der Familie zu stellen, das seine Ursprünge in der Inhaftierung in Goli Otok hat; doch Vera, Rafael, Nina und Gili sind bereit, diese auf sich zu nehmen. Sie werden auf der Reise zu einem Team. Was Nina wusste ist deshalb auch eine Lehre über die Kraft der Gemeinschaft.

Aus einer Kränkung und Verletzung wird gegen Ende der Versuch einer Versöhnung, der mithilfe des gesprochenen Wortes unternommen wird. Grossmann zeigt sich als ein versierter Beobachter von Gefühlen und zwischenmenschlichen Regungen mit einem ausgesprochen psychologischen Gespür. Leider ist der erste Teil des Buches handlungsarm und etwas überfrachtet, was allerdings durch die Erzählung der Reise und der mitreißenden Vergangenheit Veras wieder ausgeglichen werden kann. Es lohnt sich bei diesem Roman also durchaus dabeizubleiben. Was Nina wusste ist ein bewegendes Buch über eine beeindruckende Frau.

Bewertung: 3/5

Bibliographische Angaben:
Autor: David Grossmann
Titel: Was Nina wusste
Übersetzung aus dem Hebräischen: Anne Birkenhauer
Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 17.08.2020
Seitenzahl: 352
ISBN: 9783446267527
Kaufpreis: 25 €

Weitere Rezensionen:
BücheratlasLeselupeFAZDeutschlandfunkDeutschlandfunk Kulturtaz

Kommentar verfassen