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13 informative Bücher zum Thema Rassismus

Spätestens die Debatte um rassistisch motivierte Polizeigewalt in den USA, die „Black Lives Matter“-Bewegung, und zuletzt die Debatte um rassistische Tendenzen und in der deutschen Polizei haben es in unser aller Bewusstsein gerufen: Rassismus ist immer noch ein bedeutendes Problem in den westlichen Gesellschaften. Es gibt einen systemischen Rassismus.

Zahlreiche Menschen leiden unter Diskriminierungen, Beleidigungen und Ausgrenzungen. Aufklärung und Bildung sind ein Weg, um rassistischen Strukturen entgegenzutreten. Wir stellen euch aus diesem Grund 13 interessante Bücher zum Thema Rassismus und Antirassismus vor.

Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten.

Wer Rassismus bekämpfen will, muss Veränderung befürworten – und die fängt bei einem selbst an.
„Darf ich mal deine Haare anfassen?“, „Kannst du Sonnenbrand bekommen?“, „Wo kommst du her?“ Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch. Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören.
Alice Hasters erklärt es trotzdem. Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden.

hanserblau. 208 Seiten. 17 €

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Die USA unter Trump: 12 Bücher zur Lage in den USA

Am 3. November finden die US-Präsidentschaftswahlen statt. Die Entscheidung fällt zwischen dem aktuellen republikanischen Amtsinhaber Trump und dem demokratischen Herausforderer Joe Biden. Joe Biden liegt in den Umfragen teils deutlich vorn. Das gilt sowohl für die landesweiten Umfragen als auch für den umkämpften Swing-State Florida. Sollte Biden Florida gewinnen, ist ihm der Sieg wohl kaum noch zu nehmen. Doch auch Hillary Clinton hatte bei den letzten US-Wahlen einen Vorsprung in den Umfragen.

Eine wichtige Frage ist auch, wie Trump auf eine mögliche Wahlniederlage reagieren wird. Der Präsident – so muss man ihn leider nennen – hat in den Wochen und Monaten des Wahlkampfs immer wieder seine Zweifel am Wahlprozess geäußert. Er sagte, die Briefwahl diene dazu, einen großen Wahlbetrug einzuleiten. Für den entscheidenden Battleground-State Pennsylvania, den Trump braucht, um die Mehrheit im Wahlmännerkolleg zu bekommen, hat Trump angekündigt, dass seine Anwälte übernehmen werden, „sobald diese Wahl durch ist“.

Donald Trump, offizielles Protrait des Präsidenten, 2017. (Bild: Shealah Craighead)
Offizielles Portrait des Vizepräsidenten Joe Biden, 2013. (Bild: David Lienemann)



Mit den ersten Hochrechnungen kann man bei dieser Wahl in Deutschland erst am Morgen des 4. November rechnen. Bei den früheren Wahlen stand der Wahlsieger noch in der Wahlnacht fest. Das könnte dieses Jahr anders kommen, da wegen der Coronapandemie deutlich mehr Menschen per Briefwahl abgestimmt haben. Daher wird sich die Auszählung wohl hinziehen – um einige Tage oder länger.

Diese Zeit können wir nutzen, indem wir uns über die politische und gesellschaftliche Lage in den USA mit einem gut geschriebenen Sachbuch oder einem Essayband informieren. Aus diesem Grund stelle ich euch anlässlich der Präsidentschaftswahl zwölf interessante und thematisch passende Bücher vor.

Mary L. Trump: Zu viel und nie genug. Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf.

Mary L. Trump, Nichte des US-Präsidenten und promovierte klinische Psychologin, enthüllt die dunkle Seite der Familie Trump. Einen Großteil ihrer Kindheit verbrachte Mary im Hause ihrer Großeltern in New York, wo auch Donald und seine vier Geschwister aufwuchsen. Sie schildert, wie Donald Trump in einer Atmosphäre heranwuchs, die ihn für sein Leben zeichnete und ihn letztlich zu einer Bedrohung für das Wohlergehen und die Sicherheit der ganzen Welt machte.
Als einziges Familienmitglied ist Mary Trump dazu bereit, aus eigener Anschauung die Wahrheit über eine der mächtigsten Familien der Welt zu erzählen. Ihre Insiderperspektive in Verbindung mit ihrer fachlichen Ausbildung ermöglicht einen absolut einmaligen Einblick in die Psyche des unberechenbarsten Mannes, der je an der Spitze einer Weltmacht stand.

Aus dem Englischen von Christiane Bernhardt, Pieke Biermann u. a. Heyne Verlag. 288 Seiten. 22 €

Richard Russo: Sh*tshow. Erzählung.

David und Ellie, zwei gutsituierte, in der Großstadt lebende, pensionierte Akademiker sind zufrieden mit ihrem Leben. Bis zu dem Tag, an dem Donald Trump zum Präsidenten gewählt wird. Plötzlich wird ihnen alles fremd: ihr Land, ihr Leben, sie sich selbst. Ihre Tochter, die längst im liberalen Kalifornien lebt, kann ihnen nicht helfen. Und dann ist da noch dieser Freund, von dem sie glauben, dass er nur so tut, als hätte er Hillary gewählt …
Spätestens als Ellie eines Tages Fäkalien im eigenen Pool entdeckt, findet die „Sh*tshow“ nicht mehr nur im metaphorischen Sinne statt. Aber dieser spektakulär niederträchtige Akt des Vandalismus ist nur das erste in einer Kette politischer und privater Ereignisse, die sich verheerend auf die eigentlich so behagliche Existenz des Paares auswirken.

Aus dem Englischen von Monika Köpfer. DuMont Verlag. 80 Seiten. 10 €

John Bolton: Der Raum, in dem alles geschah. Aufzeichnungen des ehemaligen Sicherheitsberaters im Weißen Haus.

John Bolton diente 519 Tage als Sicherheitsberater unter Donald Trump, zumeist „in dem Raum, in dem alles geschah“. Mit beinahe täglichen Treffen zählte er zu den engsten Vertrauten des US-Präsidenten. Doch was er da sah, überraschte ihn. Er musste erfahren, dass es Trump gar nicht um das Wohl der Nation geht, sondern immer nur um Selbstinszenierung und darum, mit allen Mitteln wiedergewählt zu werden.
In seinem Buch berichtet Bolton aus erster Hand über Trumps Verfehlungen, seine rechtswidrigen Aussagen und Handlungen. Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater des Präsidenten verfügt über exklusives Detailwissen und Insiderinformationen bezüglich der Machenschaften des mächtigsten Mannes der Welt.

Aus dem Englischen von Shaya Zarrin und Patrick Baumgärtel. Das Neue Berlin. 640 Seiten. 28 €

Bob Woodward: Wut.

Trump im Visier der Journalistenlegende Bob Woodward: Ein Präsident zwischen Corona und Wirtschaftskrise, zwischen unbeirrbaren Anhängern und neuem Widerstand

Donald Trump hat die USA in eine tiefe Krise geführt. Die Corona-Pandemie, deren Gefahr er bewusst runterspielte, legt offen, welche Wunden seine Präsidentschaft gerissen hat. Nun stehen Gesundheitssystem und Wirtschaft am Rande des Zusammenbruchs. Wie reagiert der US-Präsident auf die Krise? Bob Woodward hat in den vergangenen Monaten 18 Interviews mit dem Präsidenten geführt, mit Mitarbeitern und Opponenten gesprochen, Mails, Tagebücher und vertrauliche Briefe ausgewertet, um das Portrait eines Mannes zu zeichnen, der zwischen Verdrängung, Angriff und Momenten des Zweifels schwankt. Eine bahnbrechende, scharfsichtige, intime Reportage: das bleibende Buch über Trumps Präsidentschaft.

Aus dem Englischen von Henriette Zeltner-Shane, Thomas Gunkel u. a. Hanser Verlag. 550 Seiten. 24 €

Elmar Thevessen: Die Zerstörung Amerikas: Wie Donald Trump sein Land und die Welt für immer verändert.

Donald Trump ist der Präsident der mächtigsten Nation der Erde. Er kommandiert nicht nur die schlagkräftigsten Streitkräfte auf dem Globus, sondern steht auch an der Spitze der nach wie vor stärksten Wirtschaftsmacht. Seine Entscheidungen beeinflussen Hunderte Millionen Menschen in aller Welt, es geht um Krieg und Frieden, Leben und Tod.
Doch wie hat Trumps Präsidentschaft Amerika, die Amerikaner und die Position ihres Landes in der Welt verändert? Welche dramatischen und vielleicht unumkehrbaren Auswirkungen hat die Amtszeit eines bösartigen Narzissten, der – selbst in der größten Krise des Landes seit vielen Jahrzehnten – immer nur auf den besten Deal für sich selbst aus ist und Menschenverachtung zum politischen Prinzip erklärt?
Dieses Buch basiert auf umfangreichen Recherchen und intensiven Gesprächen mit führenden Politikern, hochrangigen Militärs, einflussreichen Wirtschaftsmanagern und herausragenden amerikanischen Journalisten. Es bietet die scharfe Analyse eines Amerikas, das nie mehr so sein wird, wie es einmal war, und zeigt, was das für uns bedeutet.

Piper Verlag. 320 Seiten. 22 €

Evan Osnos: Joe Biden: Ein Portrait.

Der Journalist Evan Osnos begleitet den Kandidaten der Demokratischen Partei seit Jahren und hat ihn immer wieder interviewt, zuletzt im Sommer 2020. Diese und weitere Gespräche mit Angehörigen und Weggefährten wie Barack Obama bilden die Grundlage dieser Nahaufnahme des 1942 geborenen Biden, in dessen Werdegang sich die Veränderungen der politischen Kultur der USA spiegeln.
Mit gerade einmal 29 Jahren wurde der Sohn eines Autohändlers in den US-Senat gewählt. Seinen Amtseid legte er ab, nachdem er nur wenige Wochen zuvor seine erste Frau und seine Tochter bei einem Autounfall verloren hatte. Nach Höhen und Tiefen führte ihn seine Karriere schließlich als Vizepräsident ins Weiße Haus. Joe Biden hat dramatische Schicksalsschläge und überraschende Wendungen erlebt. Vielleicht versetzt ihn gerade das in die Lage, eine zerrissene Nation zu einen, die Wunden der Trump-Ära zu heilen und einen neuen politischen Aufbruch zu ermöglichen.

Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff und Stephan Gebauer. Suhrkamp Verlag. 263 Seiten. 18,95 €

Stephan Bierling: America First. Donald Trump im Weißen Haus: Eine Bilanz.

Donald Trump vereinigt ein beachtliches Bündel von „Firsts“ in seiner Amtszeit. Er ist der erste Präsident der USA, der zuvor noch nie eine Funktion in Politik oder Militär innehatte. Er ist der älteste jemals neugewählte Präsident und der erste Milliardär im Weißen Haus. Er hat mehr Minister und Berater entlassen als jeder seiner Vorgänger. Und er ist der erste Präsident, der nach einem überstandenen Impeachment-Verfahren eine zweite Amtszeit anstrebt. Ein Star des Reality-TV hält im Weißen Haus die Hebel der Macht in seiner Hand. Stephan Bierling zeigt in seinem informativen Buch sachlich und mit klarem Urteil, welche erschreckenden Resultate diese Präsidentschaft hervorgebracht hat.

C.H. Beck Verlag. 271 Seiten. 16,95 €

Klaus Brinbäumer/Stephan Lamby: Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe.

Nach vier Jahren einer fatalen Präsidentschaft sind die USA eine wütende, nur noch im Hass vereinte Nation – und erleben in der gegenwärtigen Weltkrise eine multiple Katastrophe. Der ehemalige Chefredakteur des SPIEGEL Klaus Brinkbäumer und der preisgekrönte Dokumentarfilmer Stephan Lamby berichten von den zahlreichen Fronten. Ihr Buch ist eine investigative Reportage über ein zerfallendes Land, das seinen Kompass und seine Wahrheiten verloren hat.

C.H. Beck Verlag. 391 Seiten. 22,95 €

Eliot Weinberger: Neulich in Amerika.

Eliot Weinberger ist nicht nur einer der origi­nellsten Essayisten, er ist auch einer der schärfsten politischen Kommentatoren der USA. In seinen Texten über die Politik unter den Regierungen Bush und Trump lässt er Fakten sprechen: Nachrichtendetails, Aus­sagen von Politikern, die den Wahnsinn, der in den USA zum Alltag geworden ist, in all seinen bizarren Auswüchsen präsentieren. Nichts fehlt: der Irakkrieg, fromm homophobe und rassistische Republikaner, Konzentrations­lager für geflüchtete Kinder, nicht zu vergessen Donald Trumps Empfehlungen zum Umgang mit einem Virus. Weinbergers Chroniken aus dem republikanischen Amerika sind erschütternde Bilder einer verstörten Gesellschaft.

Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Beatrice Faßbender. Berenberg Verlag. 272 Seiten. 16 €

Rebecca Solnit: Die Dinge beim Namen nennen. Essays.

Spätestens seit dem Wahlerfolg Donald Trumps erhalten wir tagtäglich Beispiele dafür, wie gespalten das Land ist und welch tiefe Gräben Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Gentrifizierung, Klassen- und eine verfehlte Umweltpolitik in die Gesellschaft schlagen. Ob die Anfeindungen Hillary Clintons im Wahlkampf, tödliche Polizeieinsätze, unterdrückte Wählerstimmen, das unsolidarische Ideal des Selfmademans oder die Leugnung des Klimawandels – in aller Deutlichkeit benennt Rebecca Solnit himmelschreiende Missstände des heutigen Amerika. Zugleich erteilt sie der Resignation eine klare Absage und ruft zum Glauben an die eigene Macht und zum Handeln auf, denn: „Hoffnung ist der Glaube daran, dass das, was wir tun, möglicherweise von Belang ist. Das Wissen, dass die Zukunft jetzt noch nicht geschrieben ist.“

Aus dem Englischen von Kirsten Riesselmann und Bettina Münch. Hoffmann und Campe Verlag. 320 Seiten. 22 €

Torben Lutjen: Amerika im Kalten Bürgerkrieg. Wie ein Land seine Mitte verliert.

Einst galten die USA als Musterbeispiel eines stabilen demokratischen Staates. Mit den Republikanern und den Demokraten gab es zwei unideologische Parteien mit moderaten Politikern. Heute gibt es Donald Trump. Warum wurde Trump gewählt? Was sind die Gründe für die tiefe Spaltung des Landes, das früher einmal als Heimat des Pragmatismus galt, und das sich, anders als Europa, stets von gefährlichen Utopien ferngehalten hat? Ist Donald Trump die Ursache oder das Symptom?

WBG Theiss. 208 Seiten. 20 €

Susan B. Glasser: Briefe aus Trumps Washington.

In ihren „Briefen aus Trumps Washington“, die Susan B. Glasser seit Ende 2017 aus der amerikanischen Hauptstadt für „The New Yorker“ schreibt, bietet die Journalistin tiefe Einblicke in die „post-faktische“ Trump-Präsidentschaft. Mit besten Verbindungen, großem Insider-Wissen und scharfer Beobachtungsgabe beschreibt sie Trumps immer radikaleren, Gesetze brechenden Kurs, der die Spaltung der US-Gesellschaft vertieft und zur Erosion der amerikanischen Vormachtstellung in der Welt führt.

Herausgegeben von Henning Hoff. Aus dem Englischen von Matthias Hempert. Weltkiosk. 208 Seiten. 20 €

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Biographie Literaturwissenschaft & Literaturgeschichte

Biographie: Guy de Maupassant

Guy de Maupassant, ca. 1888, fotografiert von Nadar.

Guy de Maupassant (mit vollem Namen: Henry René Albert Guy de  Maupassant) wurde am 5. August 1850 auf dem Schloss Miromesnil bei Dieppe in der Normandie geboren. Was seinen Geburtsort betrifft, kursierten schon kurz nach seiner Geburt zwei Versionen – der Ort Fécamp und das Schloss Miromesnil.

Nach heutigen Erkenntnissen wurde Guy de Maupassant auf dem Schloss Miromesnil in der Gemeinde Tourville-sur-Arques geboren, das die Familie angemietet hatte. Doch bald gab es Gerüchte, dass der Junge in Wahrheit in Fécamp geboren worden sei und sich seine Mutter Laure erst nach der Geburt ins Schloss begeben habe, um dieses als falschen Geburtsort anzugeben.

Auch der Bruder Maupassants, Hervé, kam sechs Jahre später auf einem gemieteten Schloss zur Welt, in Grainville-Ymauville im Arondissement Havre. Es gab also in der Familie eine gewisse Vorliebe für herrschaftliche Anwesen.

Die Eltern

Die Eltern von Guy de Maupassant, Gustave und Laure de Maupassant, führten aufgrund der Liebesaffären des Vaters eine zerrüttete Ehe. Der Vater stammte aus einer alten normannischen Adelsfamilie, ruinierte sich aber durch seinen aufwändigen Lebenswandel. Als der Vater 1859 nach Paris ging, um dort als Bankangestellter zu arbeiten, trennte sich die Mutter kurz danach von ihm, wobei eine Scheidung aufgrund der Gesetzeslage nicht möglich war.

Laure, die sich um die beiden Kinder kümmerte, zog sich mit diesen in die Normandie in die von den Eltern erworbene Villa namens „Les Verguies“ in Étretat zurück, ein großes Gebäude aus dem 18. Jahrhundert mit weitläufigem Garten voller Bäume. Sie erhielt von ihrem Mann fortan eine jährliche Pension von 1600 Francs.

Eine literarische Erziehung

Guy den Maupassant, 7 Jahre alt.

Laure vermittelte ihrem Sohn Guy eine Vorliebe für Lyrik, indem sie ihm beispielsweise laut aus „Ein Sommernachtstraum“ und „Macbeth“ von William Shakespeare vorlas. Eines Abends rezitierte sie aus „Salambo“, nachdem Gustave Flaubert ihr ein Exemplar hatte zukommen lassen.

Der damals schon bekannte Schriftsteller Flaubert (1821-1880) war ein Freund der Familie. Denn Maupassants Mutter, eine geborene Le Poittevin, war die Schwester von Flauberts Jugendfreund Alfred Le Poittevin, einem Anwalt und Dichter (1816-1848), der mit nur 31 Jahren starb. Flaubert sollte auch für Guy de Maupassant noch eine zentrale Rolle spielen.

Die literarische Erziehung wurde ergänzt durch den Unterricht des Pfarrers Aubourg aus Etretat, der Guy und seinen Bruder Hervé in den Grundlagen der Grammatik, Arithmetik, des Katechismus und etwas Latein unterwies.

Freies Leben an der Küste und auf dem Land

Wenn der Unterricht vorbei war, zog es Guy nach draußen in die Natur und an den Strand. Dort spielte sich sein eigentliches Leben ab. Meistens war er allein unterwegs. Manchmal begleitete ihn Hervé, und sonntags kam seine Mutter mit. Hin und wieder war er auch in der Begleitung seines drei Jahre älteren Cousins Louis unterwegs, der Guys Leidenschaft für Gedichte und Literatur teilte. Laure bevorzugte ihren älteren Sohn, in dem sie einen Mann nach ihrem Sinn sah: intelligent, robust und dennoch empfindsam für die Kunst.

Guy begann bei seinen Spaziergängen Gespräche mit den Fischern. Manchmal nahm ein Fischer den „kleinen Maupassant“ („le petit Maupassant“) mit aufs Wasser. Je wilder das Meer ging, desto mehr gefiel ihm die Bootsfahrt. Als Jugendlicher konnte er bereits selbst ein Boot zu lenken. Später sollte er zu diesen frühen Abenteuern auf dem Wasser sagen: „Ich spüre, dass ich das Blut von Seeräubern in meinen Adern habe.“

Auch das normannische Hinterland mit seinen Apfelbaumwiesen, Teichen und Bauernhöfen zog Maupassant an. In den umliegenden Wäldern ging er einfach querfeldein. Er hörte den Bauern aufmerksamer zu als seinem Lehrer, dem Pfarrer Aubourg. Einmal wurden seine Mutter und er bei einem Spaziergang an der Küste von der steigenden Flut überrascht und mussten sich auf einen Felsen retten, um vor den Wellen zu fliehen. Guy war seiner Mutter dankbar, dass sie ihn frei die Natur erkunden ließ – „wie ein entlaufenes Huhn“ („comme un poulain échappé“).

Auch wenn die innige Mutter-Sohn-Beziehung und das freie Vagabunden-Leben auf dem Land und am Meer ewig so hätte weiter gehen können, wollte seine Mutter ihm einen ernsthafteren Unterricht zuteilkommen lassen als den des Pfarrers.

Der katholische „petit séminaire“

Sie sandte ihn im Alter von 13 Jahren zu diesem Zweck an das katholische Seminar („petit séminaire“) der Kreisstadt Yvetot, auf die er fortan als Internatsschüler ging. Seine Mitschüler stammten allesamt aus vornehmen und wohlhabenden Elternhäusern. Maupassant wurde das Leben in der engen, religiösen Umgebung – mit verpflichtenden Gebeten, erbaulicher Lektüre bei den Mahlzeiten und Evangelienrezitation – zwar bald zum Graus und zum Quell der Langeweile, doch er bewies guten Willen.

Unter dieser oberflächlichen Unterordnung schwelte die Auflehnung gegen die herrschende Odnung. Er fühlte sich eingesperrt in den Mauern des Seminars, wie in einem Gefängnis. Nur donnerstags brachen sie zu einem Spaziergang in die Umgebung auf, der allerdings von Lehrern strikt begleitet wurde.

Er empörte sich darüber, dass im Unterricht Victor Hugo und andere Dichter nicht behandelt wurden. Er wollte nämlich seinem Onkel, Alfred Le Poittevin, ähneln, der seine ganze Existenz der Dichtung gewidmet hat. Maupassant unternahm deshalb während der Schulzeit die ersten lyrischen Versuche, die seine Mutter mit Freude beobachtete, da sie Talent vermutete. Das Schreiben von Gedichten wurde für ihn zu einer Waffe gegen die Ödnis in der Schule, in der es anscheinend nur um Religion, Unterricht und Messen ging.

Immer mehr interessierte er sich in der Pubertät auch für die Frauen. Nach den Ferien in Etretat bedichtete er mit 17 Jahren in einer Versepistel aus Achtsilblern eine seiner Cousinen:

Vous m’avez dit: „Chantez des fêtes,
Où les fleurs et les diamants
S’enlacent sur les blondes têtes,
Chantez le bonheur des amants.“
Mais dans le cloître solitaire
Où nous sommes ensevelis,
Nous ne connaissons sur la terre
Que soutanes et que surplis.

Ihr sagtet mir: „Besingt Feste,
Bei denen Blüten und Diamanten
sich auf blonden Häuptern umschlingen,
Besingt das Glück der Liebenden.“
Doch im einsamen Kloster,
in dem wir bestattet sind,
kennen wir auf Erden nur
Soutanen und Chorhemden.

Guy de Maupassant

Das freche Gedicht machte in seiner Schulklasse die Runde und landete schließlich auf dem Tisch des Direktors. Maupassant war damit zu weit gegangen. Da er sich beschwerte, von Priestern umgeben zu sein, flog er wegen des heiklen Textes von der kirchlichen Schule.

Zwei Lehrmeister in Rouen

Seine Mutter war über diesen Rauswurf nicht wütend; denn sie konnte nachvollziehen, dass ihr poetisch veranlagter Sohn es nicht in einer Schule aushielt, die überhaupt kein Verständnis für Poesie aufbrachte. An Flaubert schrieb sie, ihr „armes Kind“ („pauvre enfant“) sei hinter den hohen Mauern erstickt.

Daraufhin kam Maupassant als Internatsschüler an das Lycée Corneille in Rouen. In dem staatlichen Gymnasium herrschte ein Geist der Freiheit. Hier hatte er gute Noten, fühlte sich wohl und konnte zudem ungestört seiner dichterischen Berufung nachgehen.

Louis Bouilhet, 1864,
von Étienne Carjat
(Bibliothèque national de France).

In Rouen betreute ein Jugendfreund seiner Mutter und Flauberts, Louis Bouilhet, ein Dichter und Dramatiker, der heute vergessen ist, die literarischen Anfänge Maupassants. Dieser gab ihm für seine Dichtung Ratschläge und korrigierte ungeschickte Ausdrücke. Guy de Maupassant, der von dieser Art der Anerkennung überwältigt war, verbrachte alle seine freien Tage bei Bouilhet.

Eines Tages lernte er über Bouilhet auch Flaubert persönlich kennen, den Autor von „Madame Bovary“ und „Salambo“. Dieser musste, weil es spät war, zurück nach Croisset, in seinen Wohnort vor Rouen. Auf dem Weg improvisierten die beiden Kameraden eine Farce im normannischen Patois, bei der Bouilhet als Ehemann witzige Kommentare mit seiner „Ehefrau“ Flaubert austauscht. Flaubert lud Guy daraufhin ein, ihn in seinem abgelegenen Heim am Seineufer zu besuchen.

Bei seinem ersten Besuch in Croisset gab Flaubert dem jungen Maupassant Ratschläge für sein literarisches Schaffen: Er wisse zwar nicht, ob er Talent habe, doch er habe eine gewisse Intelligenz. Talent erfordere jedoch Geduld: „Travaillez.“ („Arbeiten Sie.“) Offensichtlich hat ihm der Besuch gefallen. Denn er empfing Maupassant auch an weiteren Sonntagen, sodass er ihn bald seinen „Schüler“ („disciple“) nannte.

Gustave Flaubert, 1856,
von Eugène Giraud.

Von einem Besuch zum anderen wurden die Anweisungen Flauberts präziser. So führte er zum Beispiel zum Thema Originalität aus:

Wenn man Originalität hat, muss man sie vor allen anderen Dingen freilegen; wenn man keine hat, muss man sie erwerben… Es geht darum, alles, was man ausdrücken möchte, lange genug und mit ausreichend Aufmerksamkeit zu betrachten, um daran einen Aspekt zu entdecken, der von niemandem zuvor gesehen und gesagt worden ist. Die kleinste Sache beinhaltet ein wenig Unbekanntes. (…) Auf diese Weise wird man originell.

Gustave Flaubert

Was der Meister nicht sagte, war, dass er der Auffassung war, Maupassant müsse eigentlich Prosa schreiben, wenn er Talent habe. Die Poesie hielt er nur für eine Gelegenheit, den Stil zu üben. Bouilhet dagegen war Anhänger davon, Maupassant auf dem Weg der Dichtung voranschreiten zu lassen. Mutter Laure sagte über die Anfänge ihres Sohnes: „Wenn Bouilhet fortgelebt hätte, hätte er aus Guy einen Poeten gemacht.“

Guy fragte sich in dieser Zeit, welcher Weg ihn zur Berühmtheit führen könnte. Doch beide seine Lehrer, Bouilhet und Flaubert, rieten ihm vor allem zu einer Sache – zu Geduld. Das Werke eines Schriftstellers oder Dinge habe nur dann einen Wert, wenn es lange Zeit gereift sei, fernab von der Öffentlichkeit. Im Juli 1869 starb Louis Bouilhet nach einer Krankheit. Plötzlich fehlte Maupassant einer seiner Lehrer, die ihm zum Ruhm begleiten sollten. Gleichzeitig legte er Ende Juli 1869 sein Baccalauréat ès lettres ab, den Abschluss des französischen Lycée.

Der Deutsch-Französische Krieg

Im Oktober schrieb er sich für ein Jura-Studium in Paris ein. Doch die universitären Kurse interessierten ihn weniger als das politische Leben in der Hauptstadt. Die Kaiserherrschaft sah sich einer immer heftigeren republikanischen Opposition gegenübergestellt. Maupassant las mit Freude die Pamphlete in der Presse.

Im Juli 1870 forderte die öffentliche Meinung in Paris den Krieg mit Preußen. Am 16. Juli wurde der Krieg erklärt. Guy de Maupassant verpflichtete sich mit 20 Jahren freiwillig als Soldat, ohne abzuwarten, dass er eingezogen wurde.

Le siège de Paris von Ernest Meissonier.

Im Krieg erlebte er die Niederlage und die Besetzung Frankreichs durch die Deutschen mit. Am 28. Januar 1871 wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet. Fankreich musste das Elsass und einen Teil Lothringens abtreten sowie eine Kriegsstrafe von fünf Milliarden Goldfranc bezahlen. Ab November 1871 war Maupassant kein Soldat mehr.

Die Arbeit im Marineministerium

Nach Kriegsende 1871 führte Maupassant sein Studium nicht fort, obwohl er gern weiter studiert hätte. Doch dafür reichte sein Geld nicht, eine Pension von 110 Francs, die sein Vater Gustave ihm monatlich zahlte. Stattdessen musste Maupassant einen Broterweb annehmen. Er begann Anfang 1872 auf Vermittlung seines Vaters und Gustave Flauberts, als Angestellter im Marineministerium in Paris zu arbeiten.

Nach anfänglicher Euphorie verabscheute er bald die eintönige Arbeit, bei der er sich von mittelmäßigen Bürokraten umgeben sah. Er fühlte sich intellektuell überlegen und erneut wie in einem Gefängnis, in welchem er zu ersticken drohte. Dennoch forderte er seine Vorgesetzten nicht heraus, sondern bemühte sich – wie schon in der katholischen Schule von Yvetot – gefügig zu wirken.

Niemand an seinem Arbeitsplatz in der Rue royale bemerkte, dass sich hinter dem höflichen Maupassant ein heimlicher Aufrührer versteckt. Die bürokratische Arbeit findet in einigen seiner Novellen ihren Niederschlag, etwa in „L’Héritage“ und „La Parure“.

Rudern auf der Seine und andere Vergnügungen

Neben dem Broterwerb ging Maupassant seiner liebsten Freizeitbeschäftigung nach, nämlich an Samstagen, Sonn- und Feiertagen auf der Seine Ruderboot zu fahren und im Fluss zu baden. Am Ufer der Seine fand er einige gleichgesinnte Freunde, die mit ihm die Neigung zu Wasserabenteuern, Vergnügungen neben dem Wasser und zu anzüglichen Witzen und Frauengeschichten teilten.

Bald bildeten die Freunde eine Gruppe von fünf jungen Männern, darunter Robert Pinchon und Léon Fontaine, deren einzige Regel die absolute Freiheit war und zu deren Anführer sich Maupassant aufschwang. Sie lachten, tranken, aßen, tanzten, schäkerten.

Wenn sie nicht ruderten, hielten sie sich in Schankbetrieben („cabarets“) am Flussufer auf, wobei Maupassant den Badebetrieb „La Grenouillère“ („Froschtümpel“) bevorzugte, in dem auch impressionistische Künstler verkehrten. Dieses Lokal kommt in zahlreichen seiner Novellen vor, zum Beispiel in „Yvette“, „Mouche“ sowie „La femme de Paul“.

Die Kumpanen wechselten regelmäßig die Frauen und erzählten sich hernach ihre Liebesgeschichten. Bei einer dieser Affären steckte sich Maupassant 1877 mit der Syphilis an, die damals noch nicht behandelt werden konnte. Seinem Freund Robert Pinchon gestand er eines Tages: „J’ai la vérole. – Ich habe die Syphilis, ja, die echte Syphilis, nicht den elenden Tripper, (…) nein, nein, die große Syphilis, diejenige, an der François I. gestorben ist. Und ich bin darauf stolz, verdammt, und ich verachte vor allen Dingen die Spießbürger. Halleluja, ich habe die Syphilis, folglich habe ich keine Angst mehr, sie zu bekommen.“

Die Freunde feierten ihre nicht gesellschaftskonformen Ausschweifungen regelrecht: Sie gründeten die „Société des Crépitiens“, benannt nach dem Gott Crépitus, der sich in Flauberts Roman „Die Versuchung des heiligen Antonius“ („La Tentation du saint Antoine“) durch unpassendes Verhalten auszeichnete. Daraus wurde bald die „Société des Maquereaux“ („Gesellschaft der Zuhälter“), laut Edmond de Goncourt eine Gemeinschaft „obszöner Ruderer“.

Literarische Tätigkeit

Neben seinem Beruf betätigte sich Guy de Maupassant weiterhin literarisch, jedoch lange Zeit, ohne etwas von seinen Versuchen in verschiedenen Gattungen – Erzählungen, Lyrik und Theaterstücke – zu veröffentlichen. Er probierte sich in der Dichtung, verfasste Theaterstücke, doch auf die Dauer reüssierte er vor allem mit seinen rund 260 Novellen. Seine Mutter gab ihm bisweilen die Themen für seine Geschichten vor.

Gustave Flaubert war ihm bei seiner literarischen Tätigkeit ein väterlicher Freund und Ratgeber, der seine Anfänge im Journalismus und der literarischen Welt begleitete. Er empfahl ihm Lektüren, forderte ihn dazu auf, sich der Kunst zu widmen, las und korrigierte seine Manuskripte und trug ihm sogar einige Recherchen für seinen Roman „Bouvard und Pécuchet“ auf.

Flaubert war überzeugt davon, dass der „junge Mann“ Talent besaß, aber noch mehr arbeiten musste, um eine literarische Karriere machen zu können. Er warf ihm vor, zu viel Zeit mit Bettgeschichten, Gelagen und Rudern zu vergeuden. Flaubert brachte Maupassant außerdem die genauen Anforderungen der realistischen Weltbetrachtung bei, d. h. die präzise und anspruchsvolle Beschreibung des Gesehenen und Erlebten bis in die kleinsten Details.

Durch seinen Ziehvater erhielt Maupassant Zugang zu Pariser Literatenkreisen, etwa zu dem Naturalisten Émile Zola (1840-1902), zu dem Schriftsteller Alphonse Daudet (1840-1897), zu dem russischen Schriftsteller Iwan Turgenew (1818-1883) und zu dem Schriftsteller und Kritiker Edmond de Goncourt (1822-1896). Für all die Literaten war Maupassant zunächst nicht mehr als der Schützling Flauberts, ein junger Mann aus der Normandie, der literarische Ambitionen hegte, sich aber noch nicht bewiesen hatte.

Wechsel ins Bildungsministerium

Unter dem Pseudonym Guy de Valmont publizierte Maupassant Erzählungen, Gedichte und literarische Artikel sowie Kolumnen in Zeitungen und Zeitschriften, zum Beispiel in „Le Gaulois“ und in „Gil Blas“. Vermittelt wurden ihm die Kontakte zu den Zeitungen durch Flaubert. Die Kolumnen, von denen er jeden Monate zahlreiche schrieb, behandelten die verschiedensten Themenbereiche von der Literatur über das gesellschaftliche Leben bis hin zur Politik.

Anfang der 1870er Jahre glaubte er noch, für die Poesie bestimmt zu sein. Die Gedichte, die er in dieser Zeit verfasste, erschienen gesammelt in seinem Werk „Des vers“ (1880), welches Flaubert gewidmet ist.

Der Schriftsteller und Dichter Catulle Mendès (1841-1909), der zu den Parnassiens gehörte, wollte ihn für die Freimaurerei gewinnen, da er Maupassant zunehmend schätzte. Doch dieser lehnte ab:

Aus Egoismus, Gemeinheit oder Eklektizismus möchte ich niemals an eine politische Partei welcher Art auch immer, an eine Religion, an eine Sekte, an eine Schule gebunden sein; niemals in eine Vereinigung eintreten, die bestimmte Lehren verkündet, mich nicht vor einem Dogma beugen, vor einer Gebühr und einem Prinzip, und dies einzig dafür, um mir das Recht zu bewahren, darüber Schlechtes sagen zu können. (…) Ich habe Angst vor der kleinsten Kette, ob sie nun von einer Idee oder einer Frau kommen möge.

Brief von Maupassant an Catulle Mendès

Dieser Freiheitsdrang bezog sich auch auf literarische Schulen. Maupassant weigerte sich, sich den Naturalisten anzuschließen. Dennoch wurde er Teil der Entourage von Émile Zola. Immerhin versprach die Nähe zu dem Erfolgsautor und der naturalistischen Bewegung, die en vogue war, willkommene Aufmerksamkeit.

Am 16. April 1877 fand ein Diner von jungen Autoren statt – Paul Alexis, Henry Céard, Léon Hennique, J.-K. Huysmans, Octave Mirabeau und Guy de Maupassant -, bei dem Flaubert, Zola und Goncourt eingeladen waren.

Das literarische Abendessen fand Widerhall in der Presse und die bislang unbekannten Autoren galten durch ihre Zusammenkunft mit den Meistern des Realismus und des Naturalismus plötzlich als Namen, die man sich merken musste. Ein erfolgreicher Abend also!

Auch das Ministierum wusste inzwischen, dass der dort Angestellte Maupassant sich hinter dem Journalisten-Pseudonym Guy de Valmont verbarg und dass er zudem in seiner freien Zeit mit Naturalisten verkehrte. Weil diese aber als politisch links angesehen wurden, sah man die literarischen Umtriebe Maupassants im traditionell konservativen Marineministerium mit Unbehagen, auch wenn Maupassant selbst sich eigentlich weder als links noch als rechts eingeordnet hätte.

Auch die Qualität der Arbeit von Maupassant im Ministerium ließ nach, weshalb sein Arbeitsumfeld zunehmend feinselig wurde. Und so ergriff der Schriftsteller die Gelegenheit, als sie sich nach einem Regierungswechsel bot, ins Bildungsministerium („ministère de l’Instruction publique“) zu wechseln, wo er seiner Meinung nach mehr in seinem Element sein würde. Flaubert half ihm dabei, den Posten in der Rue de Grenelle zu bekommen.

Seine Gesundheit verschlechterte sich in dieser Zeit zunehmend: 1877 klagte er über Kopfschmerzen und Schwindel, weshalb er einige Monate in der Schweiz verbrachte, um sich zu erholen. Die Ärzte diagnostizierten ein Rheuma, das seinen Bauch, sein Herz und seine Haut angreife. Laut den Medizinern hatten seine Gesundheitsprobleme nichts mit der Syphilis-Infektion zu tun.

An den Sonntagen ging er weiter auf der Seine rudern, wobei jeder Ausflug mit einer Frauengeschichte endete. Doch die Begeisterung für das Rudern ließ nun etwas nach. Seine freie Zeit widmete er stattdessen dem Schreiben.

Unter verschiedenen Pseudonymen (Guy de Valmont, Maufrigneuse, Joseph Prunier) veröffentlichte er Beiträge, Kolumnen und Gedichte in diversen Zeitungen und Zeitschriften, zu denen er dank Flaubert Zugang erhalten hatte. Als Dank für diese Zuwendung widmete Maupassant seinem Lehrer und Meister am 22. Oktober 1876 in der „République des lettres“ eine ausführliche Studie, die den Gewürdigten wirklich berührte: „Sie haben mich mit einer kindlichen Zartheit behandelt.“

Verletzung der Sitten

Als in der „Revue moderne et naturaliste“ eines seiner Gedichte mit dem Titel „Une fille“ erschien, welches drei Jahres zuvor unter dem Titel „Au bord de l’eau“ in „La République des lettres“ von Catulle Mendès publiziert worden war, kam es zu einem kleinen Skandal. Der Unterpräfekt von Etampes, wo die Zeitschrift „La Revue moderne et naturaliste“ gedruckt wurde, war der Ansicht, es handele sich um ein Gedicht, welches die guten Sitten verletze, und verständigte die Justizbehörden.

Maupassant wurde also 1880 wegen des „Verstoßes gegen die öffentliche und religiöse Moral und gegen die guten Sitten“ („outrage à la moralité publique et religieuse et aux bonnes mœurs“) angeklagt und verhört – wie 1857 Gustave Flaubert wegen der Veröffentlichung des Romans „Madame Bovary“. Flaubert wurde damals durch den Prozess erst richtig bekannt. Doch Maupassant sorgte sich vor allem um seinen Arbeitsplatz im Ministerium und seinen Ruf. Er ersuchte Flaubert, ihm bei der Abwehr der Anklage zu helfen.

Und tatsächlich: Eine Woche nachdem sich der berühmte Schriftsteller aus Croisset in der Causa für seinen Schüler öffentlich in „Le Gaulois“ stark gemacht hatte, wurde die Anklage fallengelassen und das Verfahren eingestellt. Glück gehabt! Die Aufregung brachte Maupassant Bekanntheit und Renommee. Doch zugleich machte seine Gesundheit Maupassant sorgen: Er littt an einer Nervenkrankheit im Rückenmark, die zu einer Lähmung im Auge, Herzproblemen und Haarausfall führte. Manchmal hatte er Halluzinationen.

„Boule de suif“ und der literarische Durchbruch

1880 erlebte Guy de Maupassant seinen literarischen Durchbruch, als er die psychologische und sozialkritische Novelle „Boule de suif“, zu Deutsch „Fettklößchen“, veröffentlichte, die während dem Französisch-Preußischen Krieg spielt und ihm einen sofortigen und herausragenden Erfolg bescherte.

Sein Förderer Gustave Flaubert nannte Maupassants Novelle ein „Meisterwerk der Komposition, der Komik und der Beobachtung“, außerdem lobte er die originelle Konzeption und den hervorragenden Stil. Die Novelle erschien in dem Sammelband antimilitaristischer Erzählungen mit dem Titel „Les soirées de Médan“. Den Band versammelte Erzählungen der fünf jungen Schriftsteller Maupassant, Huysmans, Céard, Alexis und Hennique, dazu kam ein Beitrag des gewichtigen Naturalisten Zola.

„Boule de suif“ spielt nach der Niederlage der französischen Truppe gegenüber der preußischen Armee in der Normandie. Eine Reisegesellschaft, bestehend aus allen Schichten, Adligen, Bürgern, Kaufleuten, zwei Nonnen, einer Prostituierten – wegen ihrer rundlichen Formen „Boule de suif“, Fettklößchen, genannt – und einem Demokraten, macht sich in einer Kutsche auf die Reise nach Rouen. In Tôtes übernachten sie.

Ein deutscher Offizier, der in derselben Unterkunft nächtigt, untersagt den Reisenden die Weiterfahrt, solange bis die Dirne mit ihm geschlafen hat. Zunächst weigert sich Boule de suif, doch die Bourgeois der Reisegesellschaft reden ihr mit allen Mitteln ins Gewissen. Sie sind der Ansicht, dass sie, die es auch mit anderen Männern treibt, nun nicht die Vorsichtige, Patriotische spielen könne.

Mit historischen und religiösen Beispielen weiblicher Tapferkeit überreden sie Boule de suif, dem Wunsch des deutschen Offiziers nachzukommen. Als die Kutsche am nächsten Tag abfahren kann, da Boule de suif ihrer Pflicht nachgekommen ist, grenzt die Reisegesellschaft sie aus ihren Reihen aus. Nur der Demokrat stimmt, um sie zu rächen, in der Kutsche die Marseillaise an, die die Bürger und die Adligen verstimmt.

Flaubert war der Ansicht, dass „Boule de suif“ die übrigen Erzählungen des Sammelbandes „Les Soirées de Médan“ bei weitem übertraf. Die Literaturkritik war geteilter Auffassung über den Band, doch beim Publikum reüssierte er. Nach dem Erfolg von „Boule de suif“ widmete sich Guy de Maupassant ganz der erzählerischen Gattung.

Tod von Gustave Flaubert

Am 8. Mai 1880 erhielt Guy de Maupassant eine Depesche von Caroline Commanville: „Flaubert hatte Schlaganfall. Hoffnungslos. Fahren um sechs Uhr los. Kommen Sie, wenn möglich.“ Zwei weitere Telegramme aus Rouen bestätigten die Nachricht. Erschüttert von der Nachricht, machte sich Maupassant zum Zug auf, wo er das Paar Commanville traf. In Croisset fanden sie nur noch die Leiche Flauberts vor. Alles hatte sich sehr schnell abgespielt.

Maupassant stellte sich nun die Frage, wer ihm von nun an helfen würde, wo Flaubert nicht mehr da war. Er fühlte sich, wie er einigen Zeitgenossen, etwa Iwan Turgenew, gestand, nach dessen Tod von Flaubert wie verfolgt: „Seine Stimme verfolgt mich, Sätze kommen wir wieder in Erinnerung, seine verschwundene Zuneigung scheint mir die Welt um mich herum leer gemacht zu haben.“

Nach dem Tod von Flaubert nahm er drei Monate Urlaub von seinem Beruf im Bildungsministerium. Immer wieder hatten ihm zuvor bereits die Zeitschriften und Zeitungen angeboten, dass er bei ihnen arbeiten könnte. Doch aus der Überlegung heraus, dass er finanzielle Sicherheit wollte, lehnte Maupassant diese Angebote ab. Nach den drei Monaten Urlaub mochte er seine neu gewonnene Freiheit allerdings nicht mehr gegen die bürokratische Papierarbeit eintauschen.

Er entschied sich, das Risiko einzugehen und die Arbeitsstelle im Ministerium zu kündigen. Von nun an lebte er ganz vom Schreiben. Zu dieser Zeit plagten ihn Augenprobleme, Migräne und von Zeit zu Zeit Herzbeschwerden. Doch Maupassant arbeitete wie ein Verrückter. Er überschwemmte die Zeitungen und Zeitschriften mit seinen Beiträgen und Kolumnen. Daneben schrieb er an seinen Erzählungen und Romanen. Die Novelle „La Maison Tellier“ etwa war ein riesiger Erfolg, wodurch er ermutigt wurde, seinen Arbeitseifer noch zu steigern.

Die Erzählung handelt von einer Gruppe von Prostituierten und einer Zuhälterin aus der Stadt, die zu einer Erstkommunion aufs Land fahren, wo sie die als fromme Gäste an der religiösen Feier teilnehmen. Die Landbewohner ahnen nichts von der wirklichen Berufung der sechs fein herausgeputzten Städterinnen. Als sich einer Schreier nach der kirchlichen Zeremonie über die Frauen hermachen will, gibt sich die Zuhälterin entrüstet und drängt zum Aufbruch. Zurück in der Stadt empfangen die Damen wieder Freier, ehrbare Bürger aus Fécamp, die bereits auf ihre Rückkehr gewartet haben.

Romane, Motive und Ästhetik

In den Jahren 1880 bis 1890 schrieb er sechs Romane, die vom Publikum mehrheitlich positiv aufgenommen wurden. Seine bekanntesten Romane sind seine ersten beiden Romane, nämlich „Ein Leben“ bzw. „Ein Menschenleben“ (frz. „Une vie“, 1883) und „Bel-Ami“ (1885). Die weiteren Romane heißen „Mont-Oriol“ (1887), „Pierre et Jean“ (1888), „Stark wie der Tod“ („Fort comme la mort“, 1889) und „Unser Herz“ („Notre coeur“; 1890). Ab Mitte der 80er-Jahre ergänzte Maupassant seinen Gegenwartsstoffen durch phantastische Motive.

Als Schüler Flauberts teilte Maupassant dessen abgründigen Pessimismus. In seinem Wirken konfrontiert er immer wieder verschiedene soziale Milieus miteinander. Auch sexuelles Begehren und Eifersucht sowie der Widerspruch von moralischem Sein und Schein spielen eine wiederkehrende Rolle. Darüberhinaus thematisiert er immer wieder Angstgefühle und Depressionen. Der Preussisch-Französische Krieg, in dem er selbst gekämpft hat, wird ebenfalls immer wieder zum Gegenstand seiner Literatur gemacht.

Maupassant hat kein zusammenhängendes Programm und auch keine Ästhetik veröffentlicht, sodass seine literarischen Überzeugungen aus Voworten gewonnen werden müssen. (Wanning 1998) Für Maupassant soll der Künstler die Wirklichkeit manipulieren, indem er aus einer großen Menge Details aus der Realität ein neues Wirklichkeitsmodell erstellt, das den Anschein vollständiger Wirklichkeit erweckt und die Realität sogar noch übertrifft. Maupassant bezeichnete diese Vorgehensweise als „wahr machen“: „Faire vrai consiste donc à donner l’illusion complète du vrai…“ (Maupassant, Le Roman, zitiert nach Wanning 1998, 95).

Im Vorwort zu „Pierre et Jean“ unterscheidet Maupassant den klassischen „roman d’analyse“ von dem modernen „roman objectif“. Letzteren möchte er selbst schreiben. (Wanning 1998) Der „roman d’analyse“ soll gefallen und bewegen, der „roman objectif“ zum Denken anregen. Der „roman d’analyse“ stellt Ausnahmeerscheinungen dar und zeichnet sich durch Höhe- und Wendepunkte sowie Effekte und Krisen aus. Der „roman objectif“ hingegen stellt die Wahrheit und alltägliche Ereignisse dar. Er wählt natürliche Übergänge und den Normalzustand.

„Bel-Ami“

Louis Pascal, inspiriert von Bel-Ami, gemalt von Henri de Toulouse-Lautrec. (1891)

Beispielhaft soll hier der Roman „Bel-Ami“ vorgestellt werden, der nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1885 einen außergewöhnlichen Erfolg erlebte und von dem innerhalb von zwei Jahren 50 Auflagen erschienen sind.

Der Roman handelt vom gesellschaftlichen Aufstieg des Georges Duroy im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Duroy, ein ehemaliger Unteroffizier, inzwischen mittelos geworden, macht sich nach Paris auf und trifft dort auf seinen früheren Kameraden Forestier.

Forestier, der mittlerweile für die Zeitung „La vie française“ arbeitet, verschafft Duroy eine Stelle als Journalist, doch dieser merkt bald, dass ihm das Talent zum Schreiben fehlt. Forestier führt seinen Freund in die Gesellschaft von Paris ein. Trotz dessen mangelhaften geistigen Gaben sind die Damen der höheren Gesellschaft von Duroys Charme entzückt – und so wird er unter dem Spitznamen Bel-Ami bekannt.

Mit seinen Verführungskünsten, der Unterstützung der Gesellschaftsfrauen und Intrigen gelingt es es Duroy, sozial aufzusteigen. Er verführt die Tochter des Zeitungsherausgebers Walter, eines der reichsten Männer von Paris. Durch die Ehe mit ihr wird er zum geachteten Mann und bekommt einen Posten als Chefredakteur einer angesehenen Pariser Zeitung.

Krankheit und Ende

Nach dem Jahr 1890 holten Maupassant seine gesundheitlichen Probleme ein. Er hatte im Jahr 1891 Zahnschmerzen, die Grippe und Migräne, seine Augen funktionierten ebenfalls nicht, wie sie sollten. Außerdem hatte er Halluzinationen. Der Doktor meinte zu ihm, er habe in den vergangenen zehn Jahren zu viel gearbeitet.

Seine schriftstellerische Tätigkeit kam nicht mehr voran, auch lesen kann er nicht mehr. „Gott, was habe ich das Leben satt“, schrieb er zu dieser Zeit. Seine Beschwerden wie gelähmte Augen, Sehstörungen, Schwindel, Nervenschäden waren wohl auch die Folgen seiner Syphiliserkrankung.

Sein begonnener Roman „L’Angélus“ sollte unvollendet bleiben. Zu einem befreundeten Dichter sagte er bei einem Besuch, er werde sich umbringen, wenn der Roman nicht in einigen Monaten abgeschlossen sei. Auch das erste Kapitel des Romans „L’Âme étrangère“ hat er verfasst. Zur Erholung machte er Kuren, fuhr in Frankreich herum und verbrachte Zeit in Cannes. Auch mit Frauengeschichten und Dorgen, Äther und Morphium, versuchte er, seine Leiden zu lindern.

Doch all diese Versuche, den Schmerzen zu entkommen, führten nicht ans Ziel. Er hatte dem Schriftsteller und Journalisten Hughes Le Roux gesagt: „Ich denke mit an den Suizid (…).“ Die behandelnden Ärzte waren nun der Auffassung, er habe eine Meningoenzephalytis, deren Ursprung in der Sypilis läge, nachdem sie lange zwischen einer Geschlechtskrankheit und einer Neurose gezögert hatte.

Die Krankengeschichte der Familie Maupassant liest sich schwerwiegend: Seine Mutter hatte eine Nervenschwäche, sein Bruder Hervé war einer allgemeine Lähmung zum Opfer gefallen, sein Onkel Alfred Le Poittevin war im Alter von 32 Jahren gestorben.

Am 14. Dezember 1891 verfasste Guy de Maupassant sein Testament. Nachdem er Weihnachten noch einmal mit seiner Mutter verbracht hatte, unternahm er einen – gescheiterten – Selbstmordversuch. Danach galt er wegen seiner geistigen Umnachtung als Gefahr für sich selbst und für andere.

Er wurde in die Pariser Klinik des Doktors Blanche eingewiesen, in dessen Behandlung sich prominente Personen mit psychischen Problemen begaben. In der Klinik nahmen die Halluzinationen und die wahnhaften Zustände zu. Obwohl alles unternommen wurde, um den Medienrummel gering zu halten, bekam die Presse Wind vom Zustand Maupassants. Im Juni 1893 hatte er Krampfanfälle, woraufhin die Ärzte bereits sein Ende vermuteten. Der athletische Frauenheld und geniale Schriftsteller von einst war nur noch ein Schatten seiner selbst. Er fiel ins Koma, wachte wieder daraus aus.

Am 6. Juli 1893 starb Maupassant im Alter von 42 Jahren. Sein umfangreiches Werk war innerhalb von nur zehn Jahren zu Papier gebracht worden, während der Autor ein Leben zwischen Frauen, Bootsfahrt, Reisen und Krankheit führte. Überraschenderweise fand seine Beerdigung am 8. Juli sehr konventionell in einer Kirche statt, zu der seine Freunde in großen Zahlen kamen. Seine Mutter und sein Vater nahmen an der Bestattungszeremonie nicht teil.

Literatur/Bibliographie

  • „Guy de Maupassant.“ In: Kindlers Literatur Lexikon Online. [Zugriff am 21.10.2020]
    „Guy de Maupassant.“ In: La République des Lettres. [Zugriff am 29.10.2020]
  • Maupassant, Guy de (1994): Boule de suif. (Reclam Fremdsprachentexte), hrsg. von Helmut Keil. Stuttgart/Ditzingen: Reclam Verlag.
  • Kessler, Helmut (1966): Maupassants Novellen: Typen und Themen. (Archiv für das Studium der Neueren Sprachen und Literaturen, Beiheft 2) Braunschweig: Georg Westermann Verlag.
  • Troyat, Henri (1989): Maupassant. (Grandes Biographies Flammarion) Paris: Flammarion.
  • Ulbricht, Arne ( 2017): Maupassant: Biografischer Roman. Berlin: Klak Verlag.
  • Wanning, Frank (1998): Französische Literatur des 19. Jahrhunderts. (Uni Wissen) Stuttgart/Düsseldorf/Leipzig: Ernst Klett Verlag.
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Interview

Interview: „Ich schätze Maupassants Wildheit“ – 8 Fragen an Arne Ulbricht

In der nächsten Zeit wird auf meinem Blog ein kleiner Schwerpunkt auf dem französischen Schriftsteller Guy de Maupassant (1850-1893) liegen. Eingeläutet wird dieser durch ein Interview mit dem Maupassant-Freund und -Kenner Arne Ulbricht, der einen biographischen Roman über dessen Leben verfasst hat.

In seinem sehr gut recherchierten Roman erzählt Arne Ulbricht, der in Teilzeit als Lehrer für Französisch und Geschichte arbeitet und nebenbei seit 1997 Bücher schreibt, wie Maupassant zum Schriftsteller wurde. Er berichtet in unterhaltsamer Weise, mit viel wörtlicher Rede, aus dem Leben des jungen Mannes bis ins Jahr 1880, als die Novelle „Boule de suif“ erschien und sein Lehrer und literarischer Patron Gustave Flaubert starb.

Der Roman ist auf Deutsch („Maupassant: Biografischer Roman“, Klak Verlag, 2017) und auf Französisch („Cette petite crapule de Maupassant“, Les Éditions du Sonneur, 2019) erschienen.


Promenades littéraires: Lieber Herr Ulbricht, Sie haben einen biographischen Roman über Guy de Maupassant verfasst. Wie kamen Sie zu diesem Thema?

Arne Ulbricht: Dank meines Französischlehrers. Das war noch ein wahrer Überzeugungstäter, der uns wirklich begeistert hat. Die Novelle „Le Vagabond“ hat mich damals – ich war 18 – tief bewegt. Während meines Studiums habe ich dann einen Maupassant-Band nach dem anderen verschlungen und irgendwann eine Biografie gelesen. Ich staunte, was ich alles nicht über Maupassant wusste, und dachte: Über diesen fulminanten Autor schreibe ich einen Roman!